depth charge – legend of the golden snake

 dc records 1995

dies ist wohl eines der ältesten tondokumente von j. saul kane unter seinem ‚depth charge‘-pseudonym, und schon hier zeigt er ganz genau, wie gute beats und samples zu tönen haben. nämlich dreckig, aufregend und nicht zu schnell, dafür mit einer gehörigen portion druck und abgehangener funkiness. die vielen, gut hörbaren bezüge zum spaghetti-western, schmuddliger erotik und hong-kong-filmen werden hier schon meisterlich miteinander verwoben und ergeben ein exotisches klanguniversum, in dem er sich meiner kenntnis nach noch ziemlich allein bewegt.

der titeltrack beginnt dann auch mit einer fernöstlich anmutenden melodie, kombiniert mit einem schleppenden, aber kraftvollen beat. die bässe grollen, die übergänge sind perfekt unperfekt – und eine ungewohnt-geniale melodie hält das geschehen spannend bis zur letzten sekunde.

noch besser gefallen mir allerdings die folgenden beiden stücke: die gangart wird härter, schneller und vor allem abwechslungsreicher. erst wird eine funkige gitarre mit einer schluchzenden hammondorgel konfrontiert, bis sie beide schliesslich einen nervenzusammenbruch erleiden; danach wird zu einem fantastisch kickenden beat und knurrenden bässen lautstark gekämpft.

asp, der letzte track, lässt sich wieder zurückfallen und stampft mit scheppernden snares und melancholisch hallenden synthis vor sich hin, bis ihm der atem irgendwann mal ausgeht.

01. legend of the golden snake
02. poison clan ’95
03. five deadly venoms
04. asp

depth charge

 

cristian vogel – whipaspank

mute records 2000

christian vogel zündet mit diesem singletrack aus seinem album ‚rescate 137‘ mal wieder ein feuerwerk aus leicht pervers klingenden, unltrafunkigen perkussionen und abartig verwursteten stimmen, die er ja auch schon mit super_collider sehr schön kultiviert hat. hier tönts ein bisschen ausgewogener, aber immer noch so, als würde die ganze komposition nur von einer leine davon abgehalten, um einen rumzuhüpfen wie ein hyperaktiver dackel.

der cylob remix spielt mit diesen elementen und zerhäckselt sie auch ganz lustig, unterlegt das ganze jedoch mit einem gut abgehangenen, aber ziemlich kühlen elektrobeat. trotzdem, macht ganz gute laune. der tube jerk mix dreht dann erst richtig auf mit einem tech-housigen intro, das nach einem tüchtigen, basslastigen breakdown in einen unglaublich swingenden hüpfbeat verwandelt wird, der niemanden ruhig sitzen lässt und ganz gut einen der kleinen höhepunkte an einer party abgeben könnte.

‚a nice night in…‘ ist dann ein eher langsames, atmosphärisches experiment mit dünnen beats und einem eigentümlich verstimmten saiteninstrument. ist wohl eher als füllsel gedacht, aber sicher auch hörenswert.

01. whipaspank
02. whipaspank (cylob mix)
03. whipaspank (tube jerk mix)
04. a nice night in with b. a. barrocker

no-future
mute

 

aster o. h. – plug & play

7b records 2004

man mags fast nicht glauben, aber 7b werden immer besser! erst grad noch das druckvolle monoblock b-minialbum, und jetzt dieses gutgelaunte goldstück von aster o.h. mit drei unverzichtbaren cut-up-electro tracks.

der jurassier zögert nicht lange und legt los mit einem leicht swingenden klickbeat und etwas, das sich nach einem gesampleten slapbass anhört. allerdings wird der bald erschlagen von schweren synth-bassbrocken, die bald das fundament bilden für ein wildes feuerwerk an gecutteten raps und witzigen breaks. überhaupt scheint bei aster o. h. der breit grinsende humor immer gleich unter der oberfläche zu stecken und kurz davor zu stehen, dem geneigten hörer gleich ins gesicht zu springen.

das spürt man auch bei ‚one shot girl‘, das mir sogar noch ein bisschen besser gefällt: ein lebhafter, meist mehr oder weniger gerader beat lässt sich mit dem meisterhaft modulierten bass auf eine kurze affäre ein und lässt das tanzbein ganz von alleine zucken und wippen. die kurzen frauenstimmsamples sind gekonnt, jedoch mit offenbar wenig ernst arrangiert worden und konkurrenzieren fröhlich mit dem stimmgenerator, der lustiges zeug brabbelt – sehr schräg und trotzdem extrem tanzbar.

als bonbon gibts noch das minimal-punkige ‚hot dog‘ mit monoblock b am mikrofon. beat und melodie sind relativ simpel, rocken aber heftig vorwärts und werden immer wieder leicht variiert. macht besonders laut viel spass!

01. electric shaker
02. one shot girl
03. hot dog (feat. monoblock b)

7b

 

uff

heute endlich einen grossen schub alte artikel und kritiken hochgeladen. wurde ja auch zeit, dass da wieder mal was läuft… dazu das erste mal seit monaten wieder dubstep gehört (kein wunder, das ist auch die grundlage der meisten heute hochgeladenen texte). distance, vex’d, burial, mark one, ramadanman, peverelist, shakleton, blackdown… alles durcheinander. erstaunlich, welche stilistische bandbreite dubstep mittlerweile erreicht hat!
ich werde mich in den nächsten wochen ranhalten, denn ein ganzer haufen single- und albumkritiken sitzt noch auf der festplatte. alles älteres zeug, aber egal.

für heute ist allerdings genug. zum abschluss noch einen dicken funk- und soul-mix von der seite der famosen daptone records:

 

Daptone would like to present the one and only Binky Griptite in his natural habitat, showing off his skills on the radio waves at the WDAP studios.

binky griptite’s ghettofunkpowerhour!

Tracklisting:

1. The Sugarman 3 Feat. Charles Bradley “Take it as it Come”
2. Sharon Jones & the Dap-Kings “Give Me a Chance”
3. The Poets of Rhythm “More Mess on my Thing”
4. Antibalas “Che Che Cole”5. The Daktaris “Eltsuhg Ibal Lasiti”
6. Sharon Jones & the Dap-Kings “Why Don’t We All Stop Paying Taxes”
7. Binky Griptite & the Mellomatics “Mellomatic Mood”
8. The Sugarman 3 “Sugar’s Boogaloo”
9. Lee Fields “Could Have Been”
10. Bob & Gene “Sailboat”
11. Bob & Gene “I Can Be Cool”
(instrumental underneath talking is Sharon Jones & the Dap-Kings “How Long Do I Have To Wait For You?” inst.)
12. Sharon Jones & the Dap-Kings “How Do I Let a Good Man Down?”
13. The Dap-Kings “Nervous Like Me”
14. The Mighty Imperials feat. Joseph Henry “Never Found a Girl”
15. Charles Bradley & the Bullets “This Love Ain’t Big Enough For The Two Of Us”
16. The Budos Band “Aynotchesh Yererfu”
(instrumental underneath talking is Binky Griptite & the Mellomatics “Brooklyn Soul Stew” inst.)
17. The Sugarman 3 feat. Lee Fields “Shot Down”
(instrumental underneath talking is Binky Griptite “Stoned Soul Christmas”)
18. The Sugarman Three “La Culebra”
19. Sharon Jones & the Dap-Kings “The Dap Dip”
20. The Sugarman Three feat. Naomi Davis “Promised Land”
21. Naomi Shelton & the Gospel Queens “What Have You Done, My Brother?”
22. The Budos Band “Adeniji”
23. The Menahan Street Band “Make the Road by Walking” (short preview underneath talking) *Dunham Records
24. Charles Bradley & the Menahan Street Band “The World (is going up in flames)” *Dunham Records
25. Sharon Jones & the Dap-Kings “You’re Gonna Get It”
26. Sharon Jones & the Dap-Kings “Genuine”
27. The Sugarman 3 “Honey Wagon”

gute nacht!

 

boxcutter – oneiric

planet mu 2006

endlich ist es da, das langerwartete album des neuen ausnahmetalents auf planet mu, barry lynn. und eins gleich vorneweg: dieses werk ist das frischeste und fesselndste, was in diesem – doch schon zur hälfte verstrichenen – jahr in meinem player gelandet ist. es vereint die ästhetik des dubsteps mit den grundlagen des jungle, virtuoser musikalischer improvisation und handwerklich herausragender produktion.

die ersten drei tracks sind grossartiges material für den dancefloor. der titeltrack spielt mit östlichen impressionen, «grub» umgarnt mit verhallten bleeps und komplexen rhythmen und «skuff’d» geht nochmals zurück zum uk-garage der 2-step ära, einfach um zu zeigen, wie mans besser hätte machen können. ausserdem eine subtile und liebevolle verbeugung vor dem labelchef mike paradinas – wer dessen letztes album kennt, weiss warum. in allen diesen tracks bemerkt man die liebe und rücksicht fürs detail sofort, zudem fällt schnell der mehr als ausreichend angesteuerte bass und eine tiefe kenntnis detailreicher breakbeat-manipulationen positiv auf. fast unglaublich zu hören, wie boxcutter den sogenannten «silver blade»-break einsetzt (ein drumloop, benannt nach einem kulttrack von dillinja und markenzeichen von boymerangs älteren drum’n’bass-produktionen). in «brood» schneidet, stoppt, kehrt und verzerrt lynn den break und benutzt ihn buchstäblich als instrument und rhythmus gleichzeitig.

ein grosses plus an «oneiric» ist die musikalische tiefe und auch ausbildung des produzenten, die das hörerlebnis von etwas, das ja eigentlich «nur» dance-musik ist, zu einer nachhaltigen erfahrung reifen lassen. nur zum beispiel «gave dub»: es ist nicht nur watteweicher kifferdub, sondern auch eine ganze lastwagenladung deeper soul, die einem schauer über den rücken laufen lässt. von «sunshine v.i.p.» und «bad you do» fangen wir noch gar nicht mal an…

wie gesagt, bis jetzt mein album des jahres, und ich wäre (wenn auch positiv) überrascht, wenn das in naher zukunft getoppt würde – besonders von einem newcomer.

01. tauhid
02. grub
03. skuff’d
04. gave dub
05. brood
06. mossy
07. rikta
08. sunshine v.i.p.
09. bad you do
10. silver birch solstice
11. hyloz
12. chlorophyll

boxcutter
planet mu

erschienen am 05.06.2006 im kommerz.ch onlinemagazin

 

m.r.k.1 – ready for love ep

planet mu 2006

m.r.k.1 (früher mark one) ist eine integrationsfigur und bindeglied für die zwei frischesten und hungrigsten styles in england: grime und dubstep. als produzent des berüchtigten virus syndicates hat er auf der insel charterfolge gefeiert, als soloproduzent macht er beats, die von djs beider lager gerne und oft eingesetzt werden, und als dj rockt er die härteren dubstep-nächte gerne und regelmässig, gerne auch in begleitung eines mcs (was in grossen teilen der szene erst langsam und widerwillig akzeptiert wird). auch mit dieser platte werden wieder diskussionen und grabenkämpfe ausgelöst: darf man r’n’b als ernsthafte bereicherung eines ansonsten so offenen sounds heranziehen? wieviel subbass brauchts, damit «es» wirklich noch dubstep ist? ist es wirklich unmöglich geworden, dass grime- und dubstepheads zusammen den dancefloor rocken?

die tracks nehmen von allem das beste: die rohe, direkte energie des grime und seiner beats, die liebe und hingabe an subbass und filmsamples des dubstep. das funktioniert durchgehend sehr gut, auch wenn der titeltrack mit seinen r’n’b-frauenstimmchen doch schwer an der grenze zum bouncenden kitsch kratzt und mir nicht wirklich gefällt – auf dem floor geht das ab wie eine rakete. in den anderen drei stücken lässt er sich nicht ganz so weit auf die äste hinaus, präsentiert jedoch gut abgehangene, absolut solide bassbetonte beats, die, siehe «stardust», auch sehr subtil und zurückhaltend eingesetzt werden.

a1. ready for love
a2. daywalker
b1. rat trap
b2. stardust

mark one
planet mu

erschienen am 05.06.2006 im kommerz.ch onlinemagazin

 

luke.envoy – gamma/honour kill

hotflush 2006

und noch so ein debut eines jungen produzenten, das den alten hasen wohl ordentlichen respekt einjagen dürfte. «gamma» überzeugt durch ein solides fundament von aufwendig gelayerten bässen und abwechslungsreichen drums mit vielen kleinen einsprengseln, die den langsamen gang des tracks in kurzfristigen galopp versetzen. hauptattraktion sind allerdings die leicht angehallten bleeps, ravesirenen und stimmsamples: sie geben dem ganzen eine dichte und schon fast erzählerische kraft. «honour kill» auf der rückseite arbeitet mit bombastischen orchestersamples, einem ziemlich verpeilt rumwobbelnden bass und sehr einfachen, fast schon primitiven drums. eine extrem schwierige kombination; die einzelnen elemente setzen sich leider selten wirklich zu einem grossen ganzen zusammen, sondern zu einem neben- und hintereinander durch die dauer des stücks. nur in den breaks und kurzen verschnaufpausen, die einem der bass gönnt, kann man erahnen, zu was diese kombination von sounds fähig gewesen wäre. schade.

a. gamma
b. honour kill

luke.envoy
hotflush recordings

erschienen am 05.06.2006 im kommerz.ch onlinemagazin

emalkay – gut feeling/frequency

boka 2006

es tut gut, dubstep in bewegung zu sehen. junge wilde stossen reihenweise nach, und obwohl sich unterdessen schon ein minimaler konsens herausgebildet hat, wie dubstep zu klingen hat, werden diese noch weiten grenzen fast wöchentlich verändert, erweitert und aufgelöst. emalkays debut erfüllt diese aufgabe aus dem handgelenk. schon beim ersten ton von «gut feeling» wird klar, dass dieser junge mit grime wohl eher was anfangen kann als mit dub, dass ihm brachialität und bewegung mehr wert sind als ausgefeilte arrangements und schöngeistige beatmanipulationen. das manifestiert sich in einfach gehaltenen, aber druckvollen grimey beats, einem teuflisch bösen einton-wobblebass und billigsten, aber effektvoll aufgeblasenen synths, die eine einfache dreitonmelodie verlässlich in die hirnrinde brennen. auf der flipside bleiben sich die hauptelemente und die stimmung im grunde gleich. allerdings bekommt man hier das gefühl, dass mehr zeit investiert wurde – ein zurückhaltendes intro, aufwendig manipulierte und gefilterte bassmelodien und abwechslungsreichere drums lassen die brachialität ein wenig – aber nie zu stark – in den hintergrund treten. eine rohe und sehr ungeduldige platte, die ihre stärken wohl nur auf dem dancefloor ausspielen kann.

a. gut feeling
b. frequency

emalkay
boka records

erschienen am 05.06.2006 im kommerz.ch onlinemagazin

elemental – deep under/sparkle

hotflush 2006

yeah, hotflush wird mit jedem release besser! auf der elf beehrt uns elemental mit seinen hochgezüchteten breaks, mit der er sich eine ganz eigene, hochgeachtete, aber (zu) wenig beachtete ecke im dubstep-gewebe geschaffen und ausgebaut hat. «deep under» errinnert ein wenig an toasties beats: die voluminösen breaks rollen, stoppen, alternieren aber immer nur sehr zurückhaltend, da ihre wirkung auch so schon verheerend ist. in kombination mit dem relativ einfachen, aber hervorragend modulierten bass stellt sich eine drängende unmittelbarkeit ein, ständig vorwärtstreibend und wieder zurückstossend, zerrend und zupfend.

«sparkle» nimmt das alles viel weniger hektisch, lässt den elementen reichlich platz, sich im hall und echo zu entfalten und wird in der zweiten hälfte schon fast meditativ deep, wozu auch der warme, raumfüllende subbass erheblich beiträgt. die funkelnden, klingenden tupfen auf dem ganzen verpassten dem track wohl noch den passenden namen.

a. deep under
b. sparkle

elemental
hotflush recordings

erschienen am 05.06.2006 im kommerz.ch onlinemagazin

 

ebola – predator – wrong music schwarzenegger series

wrong music net lab 2006

wrong music hat ein netlabel eröffnet und macht gleich einen wüsten einstand. ebola, einigen bekannt von seinem album auf dem «wrong»-mutterlabel und diversen 7-inches auf verschiedensten kleinstlabels, startet hiermit den ersten teil der «schwarzenegger series», eine hommage an «the greatest action hero/method actor in the known universe». hier wird geballert, dass die fetzen fliegen – yeah, predator halt. «mac (wild boar mix)» und «dillons arm (cia mix)» sind brachialste dubstep-brecher, die drop the lime alle ehre gemacht hätten. «jungle warfare» ist genau das, und «did you find hawkins?», aber auch «dutch gabba» sind annäherungen an hysterischen gabber mit vielen rhythmuswechseln und sampleoverload, wie er von leuten wie hellfish oder dolphin perfektioniert wurde. eingebettet wurde das ganze in filmzitate und szenenmusik von predator, was dieser ep eine sehr düstere, von schussgeräuschen und schmerzensschreien durchlöcherte atmosphäre verleiht. ein sehr guter, wenn auch bösartiger erster release auf diesem neuen label, das einiges erwarten lässt. ich freue mich schon auf die terminator-platte!

01. mac (wild boar mix)
02. jungle warfare
03. blain (r.i.p.)
04. did you find hawkins
05. dillon’s arm (cia mix)
06. dutch gabba

ebola
net-lab

erschienen am 05.06.2006 im kommerz.ch onlinemagazin