tmsv – jazz error / calavera

cosmic bridge records 2017

gleich nochmals ein grossartiger release heute, diesmal jedoch aus der drum’n’bass- und dubstep-ecke. tmsv darf zum zweiten mal auf cosmic bridge seine rhythmuslastigen bassexkursionen vor dem geneigten publikum präsentieren, und er nutzt diese möglichkeit, zwei gnadenlose dancefloorbomben zu droppen. mit ‚jazz error‘ hat er einen perkussiven 160bpm-roller am start, der mit seiner nervösen perkussion und den verhackstückten querflöten-samples dem tracktitel alle ehre macht, dazu kommen grossartig eingesetzte strings, die an alte horrorfilme erinnern.

‚calavera‘ wählt einen mittelweg zwischen punktuell verabreichter rhythmischer detailverliebtheit und exzessivem bassfetischismus, während mit den sparsam eingesetzten samples eine düster-futuristische athmosphäre heraufbeschworen wird. diese lenkt allerdings keine sekunde vom zweck des tracks ab, die meute zum tanzen zu bringen.

beneath – no symbols 006

no symbols 2016

mit no symbols hat sich beneath einen raum geschaffen, wo er seine vision von vorwärtsorientierter clubmusik unbeeinflusst von labelpolitics und geschmacksvorgaben ausleben und weiterentwickeln kann. die minimale gestaltung und der verzicht auf jedwelche werbung und sonstigen firlefanz machen schon von vorherein ziemlich klar, dass es sich hier um ein no bullshit-projekt handelt: die musik soll gelten, sonst nichts.

dieser ansatz prägt die releases, aber auch die tracks selbst: „lifted“ ist ein sperriges dancefloormonster, das sich mit seinen eckigen, ungelenk anmutenden, aber dadurch nicht weniger brutalen beats und dröhnenden synths zwischen all die stühle hockt, die in den letzten monaten von labels wie livity sound, timedance oder gutterfunk besetzt wurden. was die klassishen trackstrukturen angeht, lehnt sich beneath hier wieder sehr weit aus dem fenster, und auch die b-side „cack“ widersetzt sich unbekümmert dem mainstream, diesmal mit stolpernder bassdrum und toms, die sich gerade noch dem marschmusikhaften entziehen. die synthmelodien sind trotz ihres robusten sounds nie wirklich greifbar, nur der unglaublich tief hinabreichende bass bietet orientierung und halt.

für die vinylkäufer gibts dazu noch „fuck y’all“, das ein klein wenig vertrauter und besser verdaulich klingt, aber durch die acidlastigen leads ganz bestimmt nie langweilig wird.

dj die – lik it bak

gutterfunk 2016

dj dies gutterfunk-label hat sich in den vergangenen monaten durch unglaublich diverse und innovativ produzierte tanzmusik die herzen bassaffiner djs erobert. heute gibts vom labelboss selbst einen schon fast klassisch anmutenden 174-bpm-roller zum gratisdownload, mit wunderschön gecutteten drums und einer fetten bassline, die an dope dragons beste zeiten errinnert. sehr nett und allemal ein ohr voll wert!

hirsch & eigner – stalker / swoop

~ous 2016

mit einer neuen 7″-single erweitert ~ous seinen noch kleinen künstlerkatalog um den deutschen diy-instrumentenbauer und künstler andreas oskar hirsch und den österreichischen schlagzeuger, perkussionist und field-recordings-spezialist richard eigner. das kleine schweizer label verfolgt hiermit konsequent weiter seinen weg, experimentelle, analog und digital neuartig kombinierende musik in kleinen, aber edlen auflagen unters volk zu bringen.

auf beiden tracks spielt oskar hirsch auf einem umgebauten palmblatt, was ungewohnte, an xylophone errinnernde klangbilder ergibt. kombiniert mit richard eigners spielerischen, aber immer sehr klar strukturierten beats entsteht ein luftiger, in aller geräumigkeit spartanisch wirkender sound, der mit kleinsten effekten und verschiebungen wirkung zu schaffen versteht. dies funktioniert vor allem bei „swoop“ sehr gut, wo mit diesen mitteln trotz der kurzen laufzeit eine spannende thrillerathmosphäre voller dynamik erreicht wird.

diese scheint bei „stalker“ leider zu einem grossen teil nicht vorhanden zu sein, was vor allem an der kaum variierten, fast schon simplen melodie liegen mag, die mit dem relativ einfachen rhythmus zwar eine schöne klangliche einheit ergibt, aber kaum eine interessante entwicklung aufweisen kann. die fantastische qualität und fast schon greifbare räumlichkeit der aufnahme kann leider nicht über die fehlende tiefe und komplexität der komposition hinwegtäuschen.

burial – young death / nightmarket

hyperdub 2016

eine weile schon in aller stille aus diversen shops und ab heute ganz plötzlich auch auf bandcamp erhältlich, gehört diese single wohl zu den sehnlichst erwarteten stücken musik dieses jahres. denn abgesehen von einer kollaboration mit zomby war von burial dieses jahr nicht viel zu hören, und auch letztes jahr bliebs abgesehen von einem release auf keysound ziemlich ruhig.

umso höher schlägt das herz schon bei den ersten takten von „young death“, wenn eine durch die mangel gedrehte r’n’b-stimme über knisternder athmosphäre ihr wehklagen anstimmt. man spürt das tiefe pochen der bassdrum mehr, als man sie hört, und wieder kommen vergessene heimwege aus clubnächten hoch, verregnet, wehmütig, begleitet vom tinitus und dem müden nachflimmern der euphorie. burial ist ein meister im beschwören genau dieser stimmung, und das scheinbare zerfallen des tracks in mehrere teile, die zerfahren wirkende hantieren mit ideen, melodien und samples trägt nur dazu bei, sie um eine sanfte portion benebelter paranoia anzureichern.

ähnliche mittel werden auch bei „nightmarket“ eingesetzt, nur mit anderem effekt und klarer sichtbar scheinendem roten faden. dieser wird gebildet durch eine wundervoll subtil modulierte synthlinie, die jedoch durch weissrauschende statikeinbrüche immer wieder durchtrennt und unbeholfen scheinend wieder zusammengeknüpft wird. gegen ende wirken die synths triumphierend, die störgeräusche bäumen sich auf zu kaum erkennbaren beats, dann jedoch verhallen auch diese und die strasse hat dich wieder…

dave eleanor – puppet ep

blaublaurecords 2015

morgen kommt die fünfte ep von dave eleanor heraus – das ist somit nun schon die zweite auf dem jungen blaublaurecords-label. und wieder gibts wundervolle popmelodien, brilliant produzierte klänge und funkelnde kompositionen. eleanor bleibt also seinem sound, den er mit den vergangenen releases so geduldig und sorgfältig entwickelt hat, grundsätzlich treu, scheut sich jedoch nicht davor, diese entwicklung weiterzuführen und sich so ganz langsam und unauffällig eine eigene nische im elektronischen pop zu schaffen.

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der einstieg in die platte zeigt dies schon beinahe exemplarisch – sowohl die entwicklung als auch die richtung, die angestrebt wird: ‚ascension‘ startet mit einer sehr vertraut anmutenden und prägnant eingesetzten melodie, die sich so auch auf der letztjährigen ‚naked + nicotine‚-ep hätte unterbringen lassen. sobald beats und bass einsetzen, ist jedoch klar, dass hier zwar kleine, aber entscheidende entwicklungen vorgenommen wurden: die produktion klingt erdiger und wärmer, die matt glänzende politur der letzten platten wurde grösstenteils entfernt und nur noch punktweise und reduziert eingesetzt – ersetzt wird sie durch eine vielfalt von soundtexturen, die zwischen aufgerauht und flauschig, zwischen glänzend hart und nachgiebiger wärme changieren.

beim zweitplatzierten titeltrack wirken diese entwicklungen schon aufs schönste ausgearbeitet: eine minimale, über den lauf des intros wunderschön modulierte bassline, ein paar minimale pianosprenkel und dann die beats, knatternd und eleanors melancholische stimme perfekt ergänzend. auch das modellieren von hall und raum, nähe und weite wird immer zurückhaltender, aber wirkungsvoller eingesetzt und errinnert gerade in diesem track nicht ganz überraschend an portisheads dummy-album und geoff barrows kombination staubiger samples mit polierter elektronik. dem gegenüber steht der nächste track ‚take two‚ mit der stimme der fantastischen marena whitcher (marena whitchers shady midnight orchestra / eclecta), ein elegisch dahinstolperndes stück perfekt austarierter hoffnungslosigkeit mit wimmernden gittarren, erstaunlich variierten trap-beats und einer steigerung in dichte und athmosphäre, die den abrupten schluss als fast schon willkommenen akt des luftholens deklariert und einen perfekten bruch zu den folgenden zwei instrumentalen tracks darstellt: ‚rise‘ ist ein beatfeuerwerk knatternder drumcomputer mit traurigen melodien und getragenen harmoniumklängen, ’system check‘ bildet den abschluss mit glöckchenläutender horrorfilmathmosphäre und fragmentumwölkten beats, die sich in rauschenden wellen an den massiven, mit dem grund schon fast verwachsenen melodien brechen, sie umspülen und benetzen, jedoch nie überspülen.

dave eleanor hat mit ‚puppet‚ ein hochaktuelles und seinen entwicklungsstand als musiker perfekt dokumentierendes werk abgeliefert, das gerade im zusammenhang mit seinen vorgängern eine wichtige dynamik in der musikproduktion anschaulich macht: das entwickeln und erreichen eines eigenen sounds unter einbezug der produktionstechnik ist ein wertvolles und wichtiges mittel, sich freiräume zu schaffen, in denen experimentiert und ausprobiert werden kann, ohne dass die tracks gleich auseinanderfallen oder sich untereinander beissen. dave eleanor hat sich mit viel geduld und hartnäckigkeit dieser entwicklung verschrieben und wird diese zum anlass des releases auch live präsentieren: die plattentaufe der ep findet morgen, am 3. dezember 2015 im nordflügel der gessnerallee in zürich statt – der eintritt ist gratis!

www.daveeleanor.com
www.soundcloud.com/daveeleanor
www.facebook.com/daveeleanor

simon berz – cut out

hula honeys 2015

fast ein jahr ist es her, dass die hula honeys zum letztenmal musik veröffentlicht haben. auch wenn in dieser zeit konzerte gerockt und parties geschmissen wurden und weder dem label noch den artists faulheit vorgeworfen werden kann, wurden die schönen platten und musikalischen sammlerstücke doch je länger, desto schmerzlicher vermisst.

nun, es ist zeit zu frohlocken für alle freunde des heimischen musikschaffens und limitierten polyvinylchlorids: simon berzcut out erscheint heute als doppel-7“ mit zwei tracks und 50 1-sekundenloops. der schlagzeuger hat sich in den letzten jahren mit vielen konzerten und perfomances einen festen namen im hiesigen experimental- und improvisationskuchen erspielt und mit der ingeniösen entwicklung seines rocking desks – ein mit hilfe von tonabnehmern, effekten und samplern modifiziertes schlagzeug – sein klangspektrum ins unendliche erweitert. dass dies  funktioniert und live faszinierend und spannend anzuhören ist, hat er in den letzten monaten an diversen auftritten alleine und als fell mit herrn toktek bewiesen.

nun erscheint der erste track ‚cut out‚ mit einem remix von toktek. der drängelnd fordernde bass, die unzähligen details und einsprengsel sowie die unglaubliche bandbreite an sounds und klangfarben demonstrieren sehr schön, was mit berz‘ set up alles mögliche ist: dubbige flächen, wunderschön kontrollierte feedbacks und eine dichte des klangs, die im vergleich zu einem analogen schlagzeug enorm an tiefe und dynamik gewinnt. der track verharrt lange gespannt in lauerstellung, zuckt nur leicht und sehr beherrscht, um in der mitte plötzlich mit einem fein ziselierten und wunderschön variierten midtempobeat loszulegen. natürlich klingt das ganze immer noch sehr perkussiv und rhythmusbetont, aber das möchte man auch ganz und gar nicht missen, im gegenteil!

toktek sortiert und strafft das material, stellt repetition und gliederung der struktur in den vorgrund der komposition. so wirkt der track schneller, vorwärtsdrängender und zeitweise überaus tanzbar. die detailverliebtheit ist immer noch da und mindestens so faszinierend wie im original, aber der track wirkt dichter, konstruierter und somit auch ein wenig konventioneller. was für diesen remix gar nicht so schlecht scheint, macht er doch so das relativ freie material des originals auch eher clubaffinen ohren zugänglich.

dazu gibts 50 1-sekundenloops, die das klangspektrum des rocking desk noch weiter ausbreiten und zur freien verwendung zur verfügung stehen. ausserdem ist jedes einzelne cover der auf 300 stück limitierten single ein unikat: berz betrommelte sie mit seinen in farbe getauchten sticks zur aufnahme seiner loops.

simon berz online
simon berz auf soundcloud

toktek online

fell online

hula honeys online
hula honeys auf bandcamp
hula honeys auf soundcloud