depth charge – lust 2

dc recordings 1999

das zweite album der zweiteiligen ‚lust‘-miniserie wartet mit zehn tracks auf, die perfekt an die üppig-lüsterne stimmung der ersten hälfte anknüpfen. ein bisschen rauher und gewalttätiger ist anfangs das klima, die samples klingen aggressiver und oft wird gekämpft. ‚han do jin‘, ‚django‘ und ‚death…‘ zeigen, wieso j.saul kane auch schon als erfinder des big beats gepriesen wurde: slammende beats und atemberaubende breaks en masse, und das ganze tönt noch heute so einmalig und frisch wie vor drei jahren. erst track nummer vier lässt einem ein wenig atem holen, und langsam aber merklich wird die athmosphäre ein wenig versöhnlicher. ‚7 hill poison‘ schleicht sich mit seinen todtraurigen geigen ins herz, bevor in ‚ride‘ ein altbekanntes orgelriff melancholie verbreitet…

alles in allem ist dieses album eine sammlung wundervoller, ungeschliffener diamanten. leider wird jedoch die geniale dramaturgie und dichte athmosphäre des vorgängers, die diesen so herausragend macht, nie erreicht. die stücke scheinen mehr oder weniger absichtslos aneinander gereiht worden zu sein wie auf einer singles-collection, was der wirkung als gesamtwerk nicht gerade zuträglich ist. trotzdem, was hier geboten wird, ist niemals enttäuschend und sein geld allemal wert.

01. han do jin (even heroes have to die)
02. django
03. death and diamonds (is the name of the game)
04. cut my veins
05. model des sexy weird
06. 7 hill poison
07. ride
08. murder by contract
09. i… always do!
10. pretty pretty

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depth charge – lust 1

dc recordings 1999

das erste der beiden lust-alben von depth charge/octagon man/j. saul kane ist auch gleich das bessere. nicht dass das zweite schlecht wäre, aber hier hat der britische meister des pornofunks eine von vorne bis hinten gelungene platte abgeliefert. beginnend mit hronn’s intro und dem brillianten cover von serge gainsbourgs ‚harley davidson‘ inklusive lasziver frauenstimme und üppiger orgel führt die reise immer tiefer in kanes einzigartige welt schwül-schwerer beats. rohe samples und die allgegenwärtigen zitate aus western, eastern und französischen schmuddelfilmen werden hier zu einem dichten und extrem rockenden soundtrack zusammengefügt.

da diese zutaten bei depth charge kaum mal variieren und ab und zu auch mal wiederholt werden, kennt man natürlich den grundton der zu erwartenden musik, und auch die ‚billige‘ und rauhe soundästhetik sagt einem hallo wie ein alter freund. trotzdem bekommt man das gefühl, dass in dieses album sehr viel zeit und liebe gesteckt worden ist und dass hier mit grosser meisterschaft und ungewöhnlichen mitteln stimmungen erzeugt werden, die einem album mit diesem titel alle ehre machen.

ausserdem wird hier meines wissens das erste mal ein gastmusiker/sänger eingeladen – und natürlich ist es blowfly, die legende unter den schmuddelstars amerikas! mehr bleibt wohl nicht zu sagen…

01. hronn’s intro
02. harley davidson
03. t.d.a
04. streets of gold
05. blue lipps
06. bounty killer III
07. dreaming of the jungle
08. sex slut’s n heaven (featuring blowfly)
09. the snare
10. 21.3.1993
11. desire
12. so you want to be a secret agent?
13. genius of sci-fi

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kumo – kaminari

psychomat records 1997

meines wissens das erste album von kumo alias jono podmoro aus england. bereits hier wird allerdings klar, wieso der herr schon mit leuten wie jamiroquai, the shamen und shut up and dance zusammengearbeitet hat. zugegeben, es braucht mehrere hördurchgänge, bis man die qualität und schönheit dieser filigranen drum’n’bass- und downbeatkonstruktionen erkennt, aber wenn es soweit ist, vergisst man sie nicht mehr so leicht. jeder ton sitzt perfekt, keiner ist zuviel oder überflüssig. auch die stimmen und aussergewöhnlichen instrumente (theremin, koto) drängen sich nie in den vordergrund, sondern schmiegen sich in die stücke,  als wüssten sie, dass sie für immer zusammengehören.

die reise beginnt beginnt luftig und leicht mit einem einfachen, soliden beatgerüst, das aber immer wieder aufgebrochen und ergänzt wird. sphärische strings und lustige zwitschergeräusche werden darauf sehr schön eingesetzt und geben dem lied eine fröhlich-gelassene note, die dann im zweiten track ein bisschen zurückgenommen wird. hier regiert ein schneller, hüpfender beat auf einem dicken bassfundament, das die wände wackeln lässt. trotzdem kommt das ganze eher unterschwellig daher und endet mit ertränktem vogelgezwitscher und einem theremin-bass, der wohl schon zum dritten stück gehört. dieses bietet schwere, schleppende drums, leicht verzerrt und immer wieder variiert, vor einem sehr subtilen und meisterlich abgestimmten hintergrund. auch in den darauf folgenden stücken sind es meist die beats, die am anfang im vordergrund stehen und die aufmerksamkeit auf sich ziehen. nach mehrmaligem hören lernt man jedoch klangjuwelen wie das klimperklavier und die vocals bei ‚tigerstyle‘ oder die unheimlich kontrollierten blubbersounds bei ‚hubble eyes‘ sehr zu schätzen und zu lieben und merkt dann auch, dass hier nicht nur ein hervorragender programmierer am werk war, sondern auch ein einfühlsamer komponist und liebevoller arrangeur.

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kumo – 1+1=1

spoon records 2000

respekt! jono podmoro, alias kumo, kann mit ‚1+1=1‘ sein erstes album locker toppen – das allerdings nach einer kleinen wartezeit von 3 jahren. die hat sich jedoch gelohnt, denn auch wenn dieses werk reichlich anders daherkommt als ‚kaminari‘, ist es dennoch eine konsequente weiterentwicklung von kumos zurückhaltenden und bis ins detail ausgefeilten sounds.

was zuerst auffällt, sind wieder die beats. doch diesmal kommen sie rauher, spannender und oft auch ein bisschen härter als erwartet, nicht mehr ganz so fein und tänzelnd. was auch aufhorchen lässt, ist die geräuschhaftigkeit dieser platte. dominierten auf ‚kaminari‘ noch die warmen, runden klänge, sind es hier eher die kantigen, zischenden elemente, die sich im ohr festsetzen. wie in ‚rescue tai‘, einem lärmigen, kratzenden breakbeatmonster mit einer unglaublichen frauenstimme.

allerdings sind es auch hier schliesslich wieder die details, die faszinieren, sobald man das album mal ein bisschen besser kennt. ganz genau hinhören sollte man zum beispiel bei ‚uguisu‘, in dem eine nachtigall über die beats singt und mit der trompete ein duett bildet. macht einem wieder lust auf diese alten platten mit den vogelstimmen drauf…

mit diesem werk, das sich so konsequent und sicher zwischen ambient, dub und drum’n’bass platziert, hat podmoro gezeigt, was er dazugelernt hat. und dass er es gut einsetzen kann.

01. zero
02. con v 112
03. rescue tai
04. acta
05. gwan
06. visiting kukai
07. uguisu
08. lover man
09. a.e.a
10. grey scrubbers
11. living ghost
12. endgame

www.spoonrecords.com
www.psychomat.com

agf – westernization completed

musork orthlorng 2003

antje greye-fuchs ist ja ganz und gar kein unbeschriebenes blatt mehr, was das das elektronische musikschaffen angeht. als sängerin von laub hat sie schon einigen liebhabern guter musik das gehör verwöhnt und unter dem kürzel agf eine fantastische platte (‚head slash bauch‘) veröffentlicht.

nun kommt die zweite, und sie ist noch besser. die spartanisch wirkenden kompositionen aus clicks, bleeps und glitches winden sich wie fremdartige pflanzen um antjes faszinierende und zurückhaltende stimme, die sich gekonnt und sicher im grossen spannungsfeld zwischen lyrik, gesang und spoken word bewegt. und dies erstmals in englisch, was zuerst irritiert und die unglaubliche nähe und intensität aufzuheben scheint, die vor allem auf den laub-platten zwischen ihr und dem hörer aufgebaut wurde. dann aber hört man, dass sich nur die umstände verändert haben, nicht aber die leidenschaft und liebe, die aus dieser unterkühlt wirkenden musik spricht. im gegenteil, antje greye scheint noch direkter zu werden und genau dies eben nicht nur mit worten, sondern auch durch die musik zu zeigen: noch nie wurden töne so sorgfältig aufgebrochen, stille und pausen so mit spannung und erwartung gefüllt, um dann den nachfolgenden klang als die totale befreiung zu feiern.
auf jeden fall sehr private musik und am besten in guten kopfhörern.

01. lets make our movies
02. ambient trust
03. private birds
04. refail
05. chorizon
06. leaving with hope
07. my patch
08. in between movies
09. poem producer
10. you stop
11. contemporary westernized
12. pipe dream voices
13. lets go!

www.musork.com