ras g – brotha from anotha planet

brainfeeder 2009

ras g ist so richtig heiss grad jetzt. und so bringt er kein halbes jahr nach dem grossartigen ‚ghetto sci-fi‘ ein weiteres, noch bekiffteres album auf flying lotus‘ neuem label heraus, vollgestopft mit stolpernden beats, trippigen samples, psychedelischen synths und knisternden referenzen an hundert jahre afroamerikanische kultur-  und musikgeschichte. auf einzelne tracks einzugehen lohnt sich hier kaum, denn das ganze werk ist ein thc-geschwängerter trip nach weit draussen, wo sun ra, haile selassie und j dilla friedlich miteinander über trockene beats und staubig knisternden dub regieren. fast alle tracks laufen unter drei minuten, gehen ineinander über und funktionieren meist wahlweise als intros, outros, skits und abgeschlossene tracks mit latentem hörspielcharakter – oder gleich als alles miteinander. so wirds nie langweilig und die akkustischen assoziationen jagen sich im takt der rapide wechselnden stimmungen, einflüsse und zitate. leider geriet der spass zu kurz, und nach 35 minuten ist der ganze spuck vorbei.

01. dishwater
02. earthly matters
03. pennys confession
04. shinelight 
05. eunice in white
06. sun behind the clouds
07. astrohood
08. nothing but change
09. in coming
10. come down (2 earth)
11. desert fairy
12. return from the great unknown      
13. alkebulan 

ras g

 

agf/delay – symptoms

 bpitch control 2009

in den vier jahren seit ihrem letzten duett-album waren antye greye-fuchs und sasu ripatti nicht untätig. das paar hat zuerst mit craig armstrong als ‚the dolls‘ ein weiteres album herausgebracht, antye greye-fuchs blieb danach unter dem kürzel agf und mit diversen kollaborationen (unter anderem ein laub-album 2007) im gespräch und entwickelte ihre abstrakt-minimale, zwischen spoken word, pop und klangexperimenten oszillierende musikalische sprache konsequent weiter. ripatti veröffentlichte derweilen als luomo tollen house, schrieb songs für die scissor sisters und betreibt als vladislav delay tiefenforschung mit klängen aus dem hallgeschwängerten substrat des dub.

diese einführung wäre überflüssig, würde sich nicht dies alles in der neuen zusammenarbeit der beiden hörbar widerspiegeln. man lauscht fasziniert, wie sich die gereiften klangwelten aufeinander einlassen, sich gegenseitig befruchten und zu neuen universen verschmelzen. agfs stimme scheut sich nicht vor poppigen melodien und scheint wandlungsfähiger denn je. die beats sind energetisch, manchmals sogar clubtauglich, und das klangbild wirkt um welten dichter und ausgewogener als auf dem oft spartanisch und skizzenhaft wirkenden vorgänger.

achtet man auf die texte, fällt zudem schnell auf, wie direkt poetischer wortsinn und geschilderte stimmungen musikalisch aufgenommen und umgesetzt werden. so wirkt ‚most beautiful‘ nicht nur durch agfs stimme und text sehr erotisch, sondern auch durch die lasziv sich windende modulation des weich durch die boxen drückenden bass. und ’second life‘ spielt sowohl mit den lyrics als auch mit den tönen auf kollektive audiovisuelle game- und virtual reality-ästhetiken an. diese wandlungsfähigkeit führt glücklicherweise nicht zu einem klanglichen gemischtwarenkorb, im gegenteil: selten habe ich ein so abwechslungreich und innovativ klingendes und trotzdem in sich geschlossenes und eigenständiges album gehört. dies ist ein willkommener entwurf für eine popmusik des 21. jahrhunderts.

01. get lost
02. connection
03. downtown snow
04. outbreak
05. bulletproof
06. generic
07. congo hearts
08. most beautiful
09. symptoms
10. smileaway
11. second life
12. in cycles

agf/delay
bpitch control

 

clark – growl’s garden

warp 2009

völlig unerwartet überrascht uns clark mit einer neuen ep auf warp. sein grossartiges letztes album ‚turning dragons‘ noch immer gut im ohr und fest auf dem player, informiert man sich und stellt überrascht fest, das dieses nun doch schon ein jahr alt ist.

christopher clark hat die zeit genutzt und seinen mächtigen, bassig ausfasernden und trotzdem kompakten sound weiterentwickelt und perfektioniert. diese tracks sind prallvoll mit ideen, soundtechnisch gnadenlos präzis produziert und versprühen dabei eine druckvolle energie wie schon lange nichts mehr auf warp. gleich der titeltrack belegt dies eindrücklich: aus einem melancholisch knistrigen anfang mit clarks prozessierter stimme (premiere!) entwickelt sich durch einen alles aus dem weg räumenden subbass ein sich ständig wandelnder bassline-dancefloorknaller, der die liedstruktur jedoch nie ganz aus den augen verliert. auch die folgenden tracks sind reich an überraschungen und unerwarteten wendungen, selbstzitaten, klanglichen spielereien und rhytmischen experimenten. gonk roughage sticht dabei heraus, hier wird bei einem atemlos geloopten stimmsample (‚at times it can get a little rough‘) über einem harten, kompromisslosen 4/4-beat ein dampfend pulsierender hybrid aus booty bass, breakbeats, hardcore techno und electronica geboren. den abschluss macht ‚farewell mining town‘ mit der akkustischen ensprechung von tausend heissen, blendenden wüstensonnen.

diese ep entstand bei den arbeiten an seinem dritten album, das noch dieses jahr auf warp herauskommen soll – man kann sich also auf mehr freuen!

01. growl’garden
02. the magnet mine
03. seaweed
04. gonk roughage
05. distant father torch
06. farewell mining town

clark

 

scheme boy – the bass boson

spannered 2009

spannered hat endlich wieder ein paar aktuelle mixes hochgeladen! die von dub boy (dub, dancehall) und joxaren (hiphop und pop im weitesten sinne) sind schon mal sehr empfehlenswert, dj wrongspeeds ‚bad day for owling championships‘ ein cooler cut-up hirnfick. auch ardissons set balinesischer musik ist nicht jedermanns sache, erweitert aber sicher jeden horizont.

den wahren knaller liefert jedoch wieder mal scheme boy ab: ‚the bass boson‘ nennt er seine arschbewegende dampfwalze aus allen – man ahnt es – bassbetonten eletronischen styles, die ihm grad in die finger kommen. das augenmerk liegt auf diversesten breaks, dubstep, techno, booty bass und immer wieder techno, hart und knüppeldick, euphorisierend und mitreissend. scheme boy mixt mit ableton, legt verschiedene schichten aus beats und bässen übereinander, wie er sie gerade braucht, bindet sie mit gecutteten bleeps und stimmensamples zusammen und dressiert das so geschaffene monster, dass es fast eineinhalb stunden mit wechselnder geschwindigkeit, aber gnadenlos nach vorne drückt. ein paar kleine ruhepausen werden eingelegt und am schluss kommt peter gabriel – aber auch da ist die elegante wucht und energie dieses mix immer spürbar.

alle erwähnten mixes:
http://www.spannered.org/radio/

dub boy – rooted & grounded [vol 2]
http://www.spannered.org/radio/1575/

joxaren – dj mix
http://www.spannered.org/radio/1572/

dj wrongspeed – bad day for owling championships
http://www.spannered.org/radio/1573/

ardisson – balinese mix
http://www.spannered.org/radio/1568/

scheme boy – the bass boson
http://www.spannered.org/radio/1578/

tracklist:
vibesquad – members only
tom burbank – gnats
rustie – pendulum
tipper – off kilter
twerk – untitled
vibesquad – jowels
speedy j & chris liebing – modish ride
trentemoller – physical fraction
wagonchrist – cris chana
tipper – veil lifted
lfo – tied up
spor – electro funeral
noisia – yellow brick
oizo & errorsmith – erreurjean
justice – phantom part 1
mothboy – selfish plan
cursor miner – foxfux
errors – pump
vent – warez 3.5.1 (afghan headspin remix)
tim exile – inseminov
mathias schaffhauser – coincidance (trentemoller remix)
mouse on mars – spaceship
noisia – groundhog
chris clark – truncation horn
noisia – raar
squarepusher – snake pass
slaughter mob – dub weapon
vent – crystallite vip
trentemoller – polar shift
surgeon – bad hands (autechre remix)
tipper – open the jowels vip
reso – 2 faced rasta
noisia – seven stitches
cardopusher – green disorder
trg – horny (reso remix)
donna summer – rock rock rock (aaron spectre remix)
spor – mordez moi
duran duran duran – face blast
noisia, milanese & peter gabriel (chopped & glued by scheme boy) – gutter hammer

http://www.schemeboy.com/
http://www.myspace.com/schemeboy

gipsy syndicate – demo mix

2009

das noch junge gipsy syndicate – bestehend aus schnauz, violent asassin, vendetta und corrosive – präsentiert uns nach einzelnen auftritten und myspace-tracks seinen ersten, knapp halbstündigen demomix. die vier musiker und djs, die sich selbst schon zwischen verschiedensten genres hin- und herbewegen, tun sich hier zusammen, um ihre vorstellung einer stil- und grenzübergreifenden musik zu verwirklichen. die schwerpunkte liegen auf energetischem breakcore, fetten balkan-bläsersätzen, gnadenlosem hardcore techno, herzzerreissenden zigeunerfiedeln, hochkomplex gecuttetem jungle, nahöstlichen gesangslinien, schweren hiphop-beats und werden nach belieben erweitert.

die kunterbunte mischung entpuppt sich als ein wilder und leidenschaftlicher ritt durch eine sich dauern ändernde landschaft musikalischer einflüsse. die kontrolle geht dabei jedoch nie verloren: höhepunkte und erholungspausen sind klug gesetzt, die rhytmik wirkt nie ermüdend und die variationen in den bpm wirken, als folgen sie einer intuitiven dramaturgie. der energiefluss bleibt aber immer auf einem sehr hohen level und lässt erahnen, das diese musik am besten sehr laut und ekstatisch tanzend konsumiert wird.

www.myspace.com/gipsysyndicate

den mix gibts hier:
http://www1.evilshare.com/b889fc22-5d38-102c-a118-0007e90cfb90

 

the wire #300 – simon reynolds on the hardcore continuum

für die 300. ausgabe von wire wurden simon reynolds artikel über hardcore, jungle, drum’n’bass, garage, grime und dubstep zu einer serie zusammengefasst. als einer der wichtigsten und kenntnisreichsten kommentatoren der elektrischen und elektronischen musik seit punk wurde er vor allem mit ‚rip it up and start again – postpunk 1978-1984‘ und ‚generation ecstasy‘ bekannt und hat sich seitdem mit zahllosen artikeln, essays und blogeinträgen kritisch mit dem aktuellen zustand moderner musik befasst.

wenn ihr jemals aus erster hand etwas über die entstehung ‚unserer‘ musik und deren weiterentwicklung erfahren möchtet – diese zeitzeugen sind bestimmt nicht der schlechteste einstieg.

 

#0: introduction (2009)
http://www.thewire.co.uk/articles/2009/

#1: hardcore rave (1992)
technical ecstasy, the wire #105, november 1992
http://www.thewire.co.uk/articles/2009/

#2: ambient jungle (1994)
above the treeline, the wire #127, september 1994
http://www.thewire.co.uk/articles/2017/

#3: the state of drum’n’bass (1995)
sounds of blackness, the wire #136, june 1995
http://www.thewire.co.uk/articles/2018/

#4: hardstep, jump up, techstep (1996)
slipping into darkness, the wire #148, june 1996
http://www.thewire.co.uk/articles/2028/

#5: neurofunk drum‘n’bass versus speed garage (1997)
2 steps back, the wire #166, december 1997
http://www.thewire.co.uk/articles/2030/

#6: two-step garage (1999)
adult hardcore, the wire #182, april 1999
http://www.thewire.co.uk/articles/2033/

#7: grime (and a little dubstep) (2005)
the primer: grime, the wire #254, april 2005
http://www.thewire.co.uk/articles/2040/

 

zwei alte texte

wie aus den untenstehenden posts ersichtlich, habe ich noch eine alte architekturkritik (‚Die Ablesbarkeit des Entwurfs‘) sowie einen noch älteren text über kunst am bau (‚Peter Küng (1951)‘) von mir gefunden. ganz bestimmt keine meisterwerke der kritikerzunft, aber für den einen oder anderen vielleicht doch erträglich oder sogar von interesse.