depth charge – lust 1

dc recordings 1999

das erste der beiden lust-alben von depth charge/octagon man/j. saul kane ist auch gleich das bessere. nicht dass das zweite schlecht wäre, aber hier hat der britische meister des pornofunks eine von vorne bis hinten gelungene platte abgeliefert. beginnend mit hronn’s intro und dem brillianten cover von serge gainsbourgs ‚harley davidson‘ inklusive lasziver frauenstimme und üppiger orgel führt die reise immer tiefer in kanes einzigartige welt schwül-schwerer beats. rohe samples und die allgegenwärtigen zitate aus western, eastern und französischen schmuddelfilmen werden hier zu einem dichten und extrem rockenden soundtrack zusammengefügt.

da diese zutaten bei depth charge kaum mal variieren und ab und zu auch mal wiederholt werden, kennt man natürlich den grundton der zu erwartenden musik, und auch die ‚billige‘ und rauhe soundästhetik sagt einem hallo wie ein alter freund. trotzdem bekommt man das gefühl, dass in dieses album sehr viel zeit und liebe gesteckt worden ist und dass hier mit grosser meisterschaft und ungewöhnlichen mitteln stimmungen erzeugt werden, die einem album mit diesem titel alle ehre machen.

ausserdem wird hier meines wissens das erste mal ein gastmusiker/sänger eingeladen – und natürlich ist es blowfly, die legende unter den schmuddelstars amerikas! mehr bleibt wohl nicht zu sagen…

01. hronn’s intro
02. harley davidson
03. t.d.a
04. streets of gold
05. blue lipps
06. bounty killer III
07. dreaming of the jungle
08. sex slut’s n heaven (featuring blowfly)
09. the snare
10. 21.3.1993
11. desire
12. so you want to be a secret agent?
13. genius of sci-fi

www.phinnweb.org/jsk

kumo – kaminari

psychomat records 1997

meines wissens das erste album von kumo alias jono podmoro aus england. bereits hier wird allerdings klar, wieso der herr schon mit leuten wie jamiroquai, the shamen und shut up and dance zusammengearbeitet hat. zugegeben, es braucht mehrere hördurchgänge, bis man die qualität und schönheit dieser filigranen drum’n’bass- und downbeatkonstruktionen erkennt, aber wenn es soweit ist, vergisst man sie nicht mehr so leicht. jeder ton sitzt perfekt, keiner ist zuviel oder überflüssig. auch die stimmen und aussergewöhnlichen instrumente (theremin, koto) drängen sich nie in den vordergrund, sondern schmiegen sich in die stücke,  als wüssten sie, dass sie für immer zusammengehören.

die reise beginnt beginnt luftig und leicht mit einem einfachen, soliden beatgerüst, das aber immer wieder aufgebrochen und ergänzt wird. sphärische strings und lustige zwitschergeräusche werden darauf sehr schön eingesetzt und geben dem lied eine fröhlich-gelassene note, die dann im zweiten track ein bisschen zurückgenommen wird. hier regiert ein schneller, hüpfender beat auf einem dicken bassfundament, das die wände wackeln lässt. trotzdem kommt das ganze eher unterschwellig daher und endet mit ertränktem vogelgezwitscher und einem theremin-bass, der wohl schon zum dritten stück gehört. dieses bietet schwere, schleppende drums, leicht verzerrt und immer wieder variiert, vor einem sehr subtilen und meisterlich abgestimmten hintergrund. auch in den darauf folgenden stücken sind es meist die beats, die am anfang im vordergrund stehen und die aufmerksamkeit auf sich ziehen. nach mehrmaligem hören lernt man jedoch klangjuwelen wie das klimperklavier und die vocals bei ‚tigerstyle‘ oder die unheimlich kontrollierten blubbersounds bei ‚hubble eyes‘ sehr zu schätzen und zu lieben und merkt dann auch, dass hier nicht nur ein hervorragender programmierer am werk war, sondern auch ein einfühlsamer komponist und liebevoller arrangeur.

http://www.psychomat.com

kumo – 1+1=1

spoon records 2000

respekt! jono podmoro, alias kumo, kann mit ‚1+1=1‘ sein erstes album locker toppen – das allerdings nach einer kleinen wartezeit von 3 jahren. die hat sich jedoch gelohnt, denn auch wenn dieses werk reichlich anders daherkommt als ‚kaminari‘, ist es dennoch eine konsequente weiterentwicklung von kumos zurückhaltenden und bis ins detail ausgefeilten sounds.

was zuerst auffällt, sind wieder die beats. doch diesmal kommen sie rauher, spannender und oft auch ein bisschen härter als erwartet, nicht mehr ganz so fein und tänzelnd. was auch aufhorchen lässt, ist die geräuschhaftigkeit dieser platte. dominierten auf ‚kaminari‘ noch die warmen, runden klänge, sind es hier eher die kantigen, zischenden elemente, die sich im ohr festsetzen. wie in ‚rescue tai‘, einem lärmigen, kratzenden breakbeatmonster mit einer unglaublichen frauenstimme.

allerdings sind es auch hier schliesslich wieder die details, die faszinieren, sobald man das album mal ein bisschen besser kennt. ganz genau hinhören sollte man zum beispiel bei ‚uguisu‘, in dem eine nachtigall über die beats singt und mit der trompete ein duett bildet. macht einem wieder lust auf diese alten platten mit den vogelstimmen drauf…

mit diesem werk, das sich so konsequent und sicher zwischen ambient, dub und drum’n’bass platziert, hat podmoro gezeigt, was er dazugelernt hat. und dass er es gut einsetzen kann.

01. zero
02. con v 112
03. rescue tai
04. acta
05. gwan
06. visiting kukai
07. uguisu
08. lover man
09. a.e.a
10. grey scrubbers
11. living ghost
12. endgame

www.spoonrecords.com
www.psychomat.com

haresh pathak – structural package designs

the pepin press 1999

schlicht und einfach alle irgendwie relevanten verpackungsarten werden hier auf 370 quadratischen seiten präsentiert. mit einem knappen, prägnanten vorwort in sage und schreibe sieben sprachen wird der stellenwert der verpackung in unserer konsumgesellschaft kurz umrissen, um dann sofort zum wesentlichen zu kommen: unterteilt in familien wie ‚boxes‘, ‚aseptic packaging‘ oder ’sleeves‘ werden weit über 300 verpackungen anhand layout und einer kleinen, darstellenden isometrie vorgestellt. keine erklärungen zum zweck (der ja meistens klar ersichtlich ist) oder zur herstellung, nur eine schlichte typenbezeichnung am unteren seitenrand. die darstellungen sind sauber und sehr gut lesbar, nur ab und zu wurde bei den strichdicken der zeichnungen nicht sauber gearbeitet.

dieses buch ist somit vor allem als grosser fundus an verpackungsideen zu verstehen. zu welchem produkt passt welche verpackung? wie wird das produkt und die form seiner verpackung miteinander assoziiert? und wie wirtschaftlich kann überhaupt verpackt werden, ohne ästhetische ansprüche ausser acht zu lassen? solche und andere fragen werden hier nicht beantwortet, sondern angeregt. die antwort kann sich jeder selber basteln…

www.pepinpress.com

r. klanten, m. mischler, n.bourquin – los logos

die gestalten verlag 2002

logos! wer hat noch keins, wer will noch eins? mit diesem buch eröffnet sich dem betrachter die ganze welt der komprimierten selbstdarstellung, der essenz des corporate-identity-gedankens und der minimalisierten aussage. und das in einer vielfältigkeit, anzahl und qualität, die bis jetzt wohl einmalig ist.

tausende und abertausende von grafisch anspruchsvoll gestalteten signeten, typogrammen, schriftzügen, kürzeln – logos eben – bieten sich hier dem auge des betrachters dar, schön und einleuchtend geordnet nach aufbau und stilmittel, ergänzt durch kluge, aber gut verständliche texte und einführungen. auch ganz interessant und spannend kann das studium der statistiken sein, wo alle im buch vorgestellten logodesigner nach ihren lokalen präferenzen und deren auswirkungen auf das gestalterische arbeiten untersucht werden.

schlussendlich kann man dieses buch auf viele arten nutzen und benutzen: sicher und vor allem als leitfaden und anregung, als kompendium – ‚als orientierungshilfe, nachschlagewerk und inspirationsquelle nicht nur für grafikdesigner, sondern für den an kulturellen zeitströmen interessierten ganz allgemein‘, wies im vorwort steht.
oder aber als dickes, gehaltvolles bilderbuch für erwachsene.

www.loslogos.org
www.die-gestalten.de

pippo lionni – facts of life

laurence king publishing 2001

der new yorker designer, grafiker und künstler legt mit ‚facts of live‘ ein kleines, aber ganz feines buch vor. aufbauend auf der bildsprache der piktogramme, wie sie uns von der wc-türe bis bahnschalter begleiten, stellt er ganz allgemeine, sehr offen gestaltete situationen oder aussagen dar, deren interpretation und deutung jedem selbst überlassen ist. lionni versteht seine ‚facts‘ darum auch nicht als piktogramme, sondern viel eher als ‚ideogramme‘, also bilder, die gelernt und hinterfragt werden wollen. ganz klar herauszulesen sind allerdings seine zweifel und kritiken an den vereinfachungen und denkschemen unserer konsumgesellschaft, die er allerdings niemals plump anprangernd, sondern immer subtil und mit hinterhältigem humor darstellt. themen wie markengeilheit, vorurteile, medienabhängikeit und kommunikationsunfähigkeit werden angerissen – und wer denkt, dass eine minimalisierte, ikonografische bilddarstellung automatisch auch einfache, verbindliche und vor allem standardisierte aussagen zeitigt, der wird sich hier angenehm enttäuscht finden.

pippo lionni versucht mit diesem kleinen werk eine nichtlineare, unstrukturierte bildsprache zu entwickeln, allgemein lesbar. weder als optimistisch noch pessimistisch, sondern als kritisch und non-dekorativ will er seine bilder verstanden wissen.

‚if, as images, they are beautiful it is not intentional.‘

www.laurence-king.com

jakob arjouni – kismet

diogenes verlag 2001

im vierten und bisher neusten abenteuer des deutsch-türkischen privatdetektivs kemal kayankaya fängt alles ganz harmlos mit einem freundschaftsdienst an, entwickelt sich aber schnell in ein brutales desaster, einen gnadenlosen bandenkrieg im herzen frankfurts. stumme, seltsam geschminkte schutzgelderpresser mit blonden perücken und rücksichtslosem vorgehen bringen die machtverhältnisse im bahnhofsviertel durcheinander und verbreiten angst und schrecken im milieu. kayankaya ermittelt, und schon bald tummeln sich kriegsgewinnler, organisiertes verbrechen und eine rätselhafte, faszinierende frau auf den strassen der grossstadt.

arjounis detektivromane stechen aus der deutschen krimilandschaft hervor. seine schrägen figuren, seine schnoddrigkeit und die beschriebenen brutalitäten lassen sich niemals zum selbstzweck degradieren, und seine präzision und sprachgewandheit fesseln. immer werden themen angesprochen, die an aktualität und brisanz nichts vermissen lassen, wie in diesem fall der krieg in jugoslawien, der wahnsinn des nationalismus und immer wieder sie situation der flüchtlinge in deutschland. dies macht die lektüre oft auch unbequem und regt zum nachdenken an, denn arjouni weiss, worüber er schreibt und wo sich die wunden punkte in selbstzufriedenen denkschemata befinden.

trotzdem ist dieses buch vor allem spannend, unterhaltsam und macht verdammt spass zu lesen!

www.diogenes.ch

reto p – japan mixtape

eine wahre offenbarung für mich, da ich von japanischem hiphop – abgesehen von dj krush und honda – null ahnung habe. reto p mixt fliessend und unaufgeregt fette beats und elegante reime in japanischer und englischer sprache, und origamigleich eröffnet sich hier eine welt abseits von stumpfen 0815-hooks und gangster-attitüden.

liebe zum detail ist diesen tracks anzuhören, die samples sind zurückhaltend und abwechslungsreich eingesetzt und den stimmen nimmt man die leidenschaft für musik als lebenseinstellung sofort ab. die beats sind dick und rund produziert, knistern oft ziemlich schmutzig vor sich hin und lassen errinnerungen an die zeiten wach werden, als die east coast im business noch den ton angab und fast täglich standards setzte. wer also auf stilvolle aggressivität und druck steht und die ohren auch mal von ungewohnten sprachmelodien und rhythmen verwöhnen lassen will, ist mit diesem mixtape mehr als gut bedient.

drop the lime – gutterbreakz mix

eine interessante neuorientierung ist hier dokumentiert, die stellvertretend für die musikalische entwicklung der mittlerweile doch sehr zerrissenen breakcore-szene stehen könnte. dtl ist ja kein unbekannter in der grossen und bunten welt der harten und schnellen breaks und avancierte mit seinem letzten album auf tigerbeat6 [‚this means forever‘] gar zu sowas wie dem posterboy aller respektlosen, breakbeat verhäckselnder bedroom-producer. nun hat er für gutterbreakz einen mix zusammengestellt, der ausschliesslich aus seinem neusten und unveröffentlichten material besteht und der wohl so einige fans ziemlich verdattert zurücklassen durfte.

das erste was auffällt in diesem knapp halbstündigen mix ist die geschwindigkeit. düster grollend und nur widerstrebig setzen sich schwere, athmosphärische beats in bewegung, ungewohnt langsam und mächtig wie ein bulldozer. nach ein paar minuten kommt ein peitschendes snare dazu, der rhythmus wird energetisch steppend. spätestens hier wird klar: dieser mann hat die entwicklung der englischen grime- und dubstep szene genau beobachtet und für seine musik konsequenzen gezogen. die heissen: das tempo zurücknehmen um raum zu schaffen, dub als vorgehen und nicht als sound begreifen und nicht zuletzt härte als heaviness im bassbereich und nicht als hochgeschwindigkeits-breakbeatgewitter inszenieren. das funktioniert erstaunlich selbstverständlich und unaufgeregt wie man es schon lange nicht mehr gehört hat und man darf gespannt sein, wie sich diese wandlung in den nächsten veröffentlichungen niederschlagen wird. das nächste album ist auf jeden fall schon angekündigt…

00:00 strong pony
03:19 coal box black
05:36 man deer hunted
09:15 brooklyn skank (forthcoming on ruff records, ruff 001)
11:33 guts (dollars down mix)
13:10 club diggerz (maudcore – dtl remix)
14:05 scary love (dub mix, forthcoming on „we never sleep“, tigerbeat6 rec)
17:17 grills
19:15 oceans (4×4 mix, forthcoming on „we never sleep“, tigerbeat6 rec)
21:06 life vest
24:00 bad girls (forthcoming on trouble and bass)

http://gutterbreakz.blogspot.com/

monoblock b – machine

7b records 2001

dies ist der erste release vom neuen label 7b aus zürich unter der leitung des hyperaktiven hans spieler. leider kann ich die tracks nur über die online gestellten mp3’s beurteilen; trotzdem will ich dazu nicht schweigen, denn monoblock b legt mit dieser platte die messlatte so hoch, dass dass man dieses label (und den künstler) einfach im auge behalten muss.

‚i win‘ legt gleich von anfang an los mit einer dicken, monotonen bassline und einer trockenen bassdrum, die beide miteinander schon in den ersten sekunden eine hypnotisierende und faszinierende wirkung auf den hörer ausüben. dazu ein verzerrtes stimmsample und treibende, fast schon funkige hihats. man merkt schnell: der mann ist gewohnt, so viel wie möglich aus seinem material rauszuholen. so entwickelt sich der track mit den obengenannten elementen zu einem hypnotisch-saugendem ungetüm, das einem am ende etwas ausser atem stehenlässt. aber schon startet ‚everyone‘, nimmt das tempo ein wenig zurück und drückt dafür einen schmutzig gurgelnden bass aus den boxen. eine stimme sagt ‚everyone‘ und schon findet man sich in einem dschungel aus effects, geräuschen und sich rivalisierenden stimmensamples. eine kluge dramaturgie und lichte stellen sorgen dafür, dass das interesse nie erlahmt.

der eigentliche rocker auf der platte ist allerdings ‚machine‘, der eigentlich ziemlich harmlos mit einem ähnlich fett schmatzenden basslauf startet wie ‚everyone‘, sich aber über kurz oder lang zu einem schwerfällig-bösen monster mit verzerrten drums und einer kaum vorstellbar zerstörten und kaputten synth-melodie auswächst. könnte für ein paar verschwitzte tänzer sorgen…

wie gesagt: eine sehr gute, eigenständige und überzeugende erste veröffentlichung – ich bin gespannt!

01. i win
02. everyone
03. machine
04. le jeux

http://www.7b.to
7b.to/monoblockb