dave eleanor – dangerous

subtrakt 2013

nach der veröffentlichung der zwei eps ‚wait‚ und ‚wake‚ im jahr 2012 und unzähligen live-auftritten hat dave eleanor im november 2013 mit ‚dangerous‘ endlich neue musik nachgelegt. dass diese erst jetzt hier besprochen wird, ist unter anderem auf die kaum zu überbietende schreibfaulheit des rezensenten zurückzuführen und somit sehr bedauerlich. andererseits ist es manchmal ganz angebracht, sich eine weile von einer platte durch den alltag begleiten und die wahrnehmung des werks durch die zeit verändern zu lassen. denn diese ep wächst mit der zeit, sehr sogar!

im vergleich mit ihren vorgängern klingt diese platte nämlich beim ersten durchgang nicht aufsehenerregend oder gar innovativ. im gegenteil: das introvertierte, das eleanor schon zuvor kultiviert hat, wird hier noch stärker betont. die strukturen wurden vereinfacht und ein unaufdringlicher, ausgewogener minimalismus in klangdichte und struktur herrscht vor, der die – noch immer stark von bass music, techno und deep house beeinflussten – tracks domestiziert und wohnzimmertauglich erscheinen lässt. die klänge sind warm und freundlich und erste befürchtungen kommen auf, dass der künstler in die fast schon klassische schweizer produzentenfalle getappt ist: eine soundtechnisch perfektionierte überproduktion, die in gähnende akkustische gemütlichkeit und langeweile mündet.

trotzdem hört man die platte gerne… aber erst mit der zeit versteht man auch, wieso. es ist gerade diese zurückhaltung und weite in den tracks, die das liebevolle und freundliche der sounds zum vorschein bringt. nichts wirkt hier gehetzt, teilweise kommen lücken und pausen vor, die bis zur völligen stille ausgedehnt werden. so werden auch kleinste details hörbar und wichtig wie zum beispiel das kurze, als rhythmischer kontrapunkt gesetzte einatmen in ‚l’enfant‘. ausserdem wird immer klarer, dass eleanor auf einem guten weg ist, seinen eigenen ’sound‘, seine akkustische handschrift zu finden. ein verstärkter einsatz seiner unverzerrten stimme, die warme, hochwertig weiche textur der samples, die simple, aber nie aggressive effektivität der beats deuten darauf hin, dass sich hier jemand in einer ganz privaten umgebung einrichtet und wohlzufühlen beginnt. dieser eindruck zieht sich durch die gesamte platte, verstärkt sich bei songs wie ‚dangerous‘ und ‚maybe‘, deren unverblümter pop-appeal niemals aufgesetzt wirkt, und hält sich auch bei uptempo-tracks wie ‚fogy‘, der sich mit wobbelnden bässen und hocheffektiven halftime-beats für die tanzfläche empfielt. ‚dangerous‘ wurde dann folgerichtig auch die erste singleauskopplung und unter mitarbeit von pascal arnold von roq mit einem clip unterlegt, der die melancholische grundstimmung perfekt bebildert.

‚dangerous‘ als ep zu bezeichnen ist pure tiefstapelei, denn mit sieben voll ausgewachsenen songs und guten 25 minuten laufzeit bewegen wir uns schon in einem bereich des tonträgermarkts, in dem andere ohne zu erröten alben platzieren und dafür auch noch geld verlangen. dass dave eleanor dies auch nach zwei verhältnismässig erfolgreichen eps nicht in betracht zieht, spricht für seine bescheidenheid und lässt zudem auf ein baldiges erscheinen eines ‚richtigen‘ albums hoffen.

01. i’m yours
02. dangerous
03. l’enfant
04. maybe
05. with you
06. fogy
07. here

dave eleanor
dave eleanor auf subtrakt
dave eleanor auf soundcloud

peter cellar – murren

lalamusik 2013

schon lange wollte ich lalamusik und die darauf erschienene musik hier vorstellen – bis auf eine kleine meldung zu lala004 habe ich’s immer wieder herausgeschoben. nun ist seit vorgestern ‚murren‚ von peter cellar (gratis!) dort zu holen, und ich habe weder grund noch entschuldigung mehr, nicht zumindest über diese platte zu schreiben.

lalamusik trat vor vier jahren mit paul hacketts ‚tv dinner‘ – einer platte voller tv-samples und augenblicke seltsamer schönheit – in die virtuelle öffentlichkeit und hat seitdem genau fünf weitere werke in diese entlassen. sie alle sind wohlüberlegte und exklusive kleine juwelen der kooperation zwischen musiker, label und grafiker – die alle anonym bleiben, da die maximal reduzierte website mit den downloadlinks der einzelnen veröffentlichungen alles ist, was der interessierte hörer je finden wird. es geht hier also um musik, und ablenkungen sind nur insofern gestattet, soweit sie diese unterstützen.

was allen von diesen werken gemein ist, lässt sich am neusten – diesmal von ‚peter cellar‘ – genauso gut wie an den anderen wahrnehmen: ein unbedingter experimentierwille, betreffe es nun komposition, instrumentierungn oder produktion, dazu eine gute portion zurückgelehnter humor und eine neckische liebe zu harmonien. bei diesem album kommt noch ein dadaistisch anmutendes (sprach-)element und viele wunderschöne melodien hinzu, die jedes stück in einen kindlich glitzernden popsong verwandeln. dazu wird fröhlich gesungen, verfremdet oder nicht; alle möglichen instrumente werden gesampled und immer wieder blinken errinnerungen an vergangene zeiten elektronischer popmusik auf. trotzdem, man merkt schnell, dass dieser künstler auf der höhe der zeit ist: die bässe klopfen warm, die beats sind meist einfach, aber effektiv und punktgenau platziert und die synths pulsieren weich und luftig. auch das mastering macht der musik alle ehre, so dass das werk bis zum letzten song einen selbstsicheren entdeckergeist und ansteckende zuversicht versprüht.

01. darling, my wallet is in the car
02. hasamida
03. ma pero di piu
04. brägle
05. 30
06. pluto
07. xxx
08. still haven`t found what i`m looking for
09. i can`t find my pully, i can see my destiny
10. wait for go

ricky force – celestial/falling

pressin hard records 002

verdammt nochmal, was hab ich auf diese platte gewartet! angekündigt seit monaten und in diversen sets schon zu hören war sie, und ganz am schluss gabs noch eine zusätzliche geduldsprobe, weil bei der pressung irgenwas schief lief. doch sei’s drum, das warten hat sich gelohnt: hier hört man locker die beste jungle-platte  dieser ersten jahreshälfte! mit ‚celestial‘ wird die ideale a-seite geboten: losrollende beats, die immer noch den rave in sich tragen, werden unterlegt mit den abenteuerlichen athmosphären, die an metalheadz in den besten zeiten denken lassen, gefolgt von einem subtilen drop und prasselnden, gnadenlos zum tanzen anfeuernden amens. zwischendurch darf man atem holen – aber nur kurz, dann wird der wahnwitzige reigen wieder aufgenommen, begleitet von verhallten alienchören.

bei ‚falling‘ gehts ein wenig handfester zur sache, was vor allem an den wunderbar erdig produzierten beats liegt. die rollen wie ein hummer, unterlegt von tiefstem subbass. dazu wunderschön verzerrte, durch die echokammer gejagte stimmensamples sowie ab und zu eine sich vorsichtig aufbauende fläche – mehr brauchts eigentlich nicht für einen anständigen track, und der hier ist mehr als anständig!

die 12“ ist leider schon ausverkauft, aber digital kann man die single noch hier erwerben.

01. celestial
02. falling

pressin hard records
ricky force auf soundcloud

iokoi – growing young

hula honeys 2013

dicke post heute: hula honeys frische 7“ liegt im briefkasten, zusammen mit dem neusten innernoise-tape vom dubbling crack monster aka soult (sehr schön) und gestaltens ‚forever – the new tattoo‚-buch – auch das eine feine und sorgfältig gearbeitete sache. die platte jedoch macht den sinnen besonders freude: verpackt in eine handgenähte und fein bedruckte hülle aus einem schweren, metallisch glänzend beschichteten gewebe ruht die auf transparentes pvc gepresste single in einer psychedelisch bedruckten, handnummerierte falthülle. die gestaltung verweist schon auf den akustischen inhalt der single: minimalistisch in den mitteln, aber liebevoll und geduldig von hand gefertigt. iokois stimme singt drängend und säuselnd vom jüngerwerden, während sich ein von vereinzelten perkussionsfunken akzentuierter synthbasslauf durch die modulationen und filter windet, dass es einem bange werden kann. mehr passiert eigentlich nicht, und trotzdem entsteht so ein  immer wieder flüchtig aufschimmerndes, sommerliches popfragment von eigentümlicher schönheit. ob man es sich auch rückwärts anhören sollte, kann jeder für sich entscheiden.

01. growing young
02. growing gnuoy

iokoi website
iokoi on twitter
iokoi on vimeo
iokoi on soundcloud
iokoi auf facebook
iokoi auf youtube
growing young auf bandcamp
hula honeys

dj okay – cookin‘ beatcakes

subtrakt 2013

mit unaufdringlicher bescheidenheit, aber hocherhobenen hauptes,  schlendert diese platte durch die gehörgänge direkt in die gute stube. lässt sich nieder, zündet einen joint an, reicht ihn rüber und fängt an zu erzählen. kleine, unaufgeregte geschichten, reich an kleinen anekdoten und bunten ideen, aber ohne abschweifungen. die stimme errinnert an vergangene zeiten, ihr klang ist voll und warm, aber diese platte glaubt an die zukunft. und an gute beats, tolle samples und feine melodien, reichlich angerichtet und gewürzt mit leidenschaft und witz. darum hat sie auch bei subtrakt ein heim gefunden und steht nun dort allen liebhabern guter musik zum freien download zur verfügung.

download
subtrakt

fanu – breakbeat brew ep

lightless digital 2012

fanu mag kaffee sehr, das hat er schon mit seiner letzten ep ‚coffee crazy‘ im juni klargemacht. nun kommt mit ‚breakbeat brew‘ seine zweite ode an das schwarzbittere gebräu heraus, und wenn man sich die platte zum ersten mal durchhört, wird einem schnell klar, dass diese zuneigung nichts an leidenschaft eingebüsst hat – ganz im gegenteil! die breaks sind frenetischer und tighter als je zuvor, die samples und ideen sprudeln nur so über vor experimentierfreude und über die ganze ep ist dem finnischen produzenten eine ansteckende begeisterung für breakbeats und dichte athmosphären anzuhören. diese begeisterung, gepaart mit der gewohnten meisterschaft des langjährigen beatschmieds, ergibt in diesem fall eine unglaublich abwechslungsreiche platte mit fünf tracks, die sich alle in verschiedene richtungen bewegen und trotzdem durch eine überragende produktion und ein perfektes mastering zusammengehalten werden.

gleich am anfang wird schon mal kräftig auf die pauke gehauen und mit ‚about life and death‘ ein energiegeladener dancefloortrack präsentiert, wie er von fanu schon länger nicht mehr zu hören war. spannungsgeladenes intro, bedrohliche athmosphäre… nichts neues eigentlich – bis einem plötzlich die edits um die ohren fliegen und eine dreckige acidline, wie sie squarepusher nicht besser hinbringen würde, das hirn aus dem körper katapultiert. ‚monkey got chocked‘ überrascht mit einem oldschool-intro und perfekt eingesetztem tom waits-sample und die nachfolgenden beats errinnern an alte krust oder dope dragon-platten, als jump-up noch überraschend und aufregend sein durfte. kleine details und breakdowns lassen immer wieder aufhorchen, sax- und flötensamples schwirren vorbei – und dann ist es plötzlich vorbei. aufgefangen wird man von ‚my drumming sucks‘, einem downbeattrack mit stark technoiden einschlägen und dreckigem 303-bass, welcher ab mitte des tracks durch eine zweite, höhergelegte acidline ergänzt und akzentuiert wird. absolut dancefloortauglich und mit grossem potential zum überraschungshit des abends. anschliessend wartet schon eine weitere überraschung: fanu versucht sich in ’slack and roll‘ an einem 2-step-beat, und zwar im stil alter droppin science-stepper! natürlich kann er’s nicht lassen und streut massenhaft fills, breakdowns und kleine verzierungen ein, die dem ganzen seinen persönlichen stempel aufdrücken, aber eigentlich hat er mit diesem track einen überraschend konventionellen und fast schon klassischen drum’n’bass-dancefloor track produziert. diese linie verfolgt auch rescue in seinem remix, nur dass er sein augenmerk noch verstärkt auf die synths, stabs und warmen flächen legt, die beats ein wenig begradigt und den bass beim ersten drop so hart einsetzen lässt, dass wohl jede spätnächtliche crowd nochmals aus dem rausch gerissen wird, um auf den fast schon trancig anmutenden beats in den morgen zu tanzen.

01. about life and death
02. monkey got choked
03. my drumming sucks
04. slack and roll
05. slack and roll (rescue remix)

fanu fanu auf facebook
fanu auf bandcamp
fanu auf soundcloud
fanu auf twitter
fanu auf discogs

buddy peace – buddy & muddy & wolf

in den letzten tagen bringe ich diesen mix (oder wie man dieses werk auch immer nennen will) kaum mehr aus meinem player: ‚buddy & muddy & wolf‚, ein geniales 20min-mash-up aus muddy waters ‚electric mud‘ und howlin‘ wolfs ‚the howlin‘ wolf album‘, liebevoll und akribisch von buddy peace aus über 750 einzelsamples kontruiert. die stimmung reicht von erdig vorwärtsrockend über psychedelisch verpeilt bis zu euphorischen big beats. eigentlich überraschend, denn die zutaten bleiben durchgehend die gleichen: bluesy gittarrenriffs, heavy drums und die unverkennbaren vocals von muddy und wolf.

download

hood regulators – good girls ep

korsett kollektiv 2012

frisch ab festplate und und ganz umsonst kommt heute von den luzerner hood regulators aka kackmusikk & leisure options eine neue ep raus. ‚good girls‘ heisst sie und präsentiert einen angenehm entspannten und dennoch sehr tanzbaren umgang mit elementen des hiphop und elektroboogie, miami bass und footwork. thematisch dem schönen geschlecht gewidmet, bewegen sich die tracks im midtempo-bereich und decken das ganze spektrum einer gelungenen clubnacht ab: ‚everybody‚ ist ein unaufgeregter introtrack, der sich mit seinen smoothen vocals und sparsamen beats in jedem warm-up-set daheim fühlt. der titeltrack ‚good girls‚ dagegen ist der klare hit und grandiose dancefloorknaller der platte. die snares und hihats knattern um die wette, ein trancig arpeggiolastiger synth schraubt sich in ekstatische höhen und die bassdrum boomt sich durch das dickicht, dass es eine wahre freude ist. den verträumt-verdrogt-verderbten abschluss bildet ‚i do you‚ mit säuselnden frauenstimmen und weiten flächen, die der party zumindest retrospektiv ein warm schimmerndes finish verleihen und den langen heimweg vom club versüssen.

01. everything
02. good girls (gotta get down with the gangsters)
03. i do you

links:
hood regulators auf myspace
hood regulators auf soundcloud
hood regulators auf facebook
hood regulators auf korsett kollektiv
global ghetto anthems

dave eleanor – wake ep

subtrakt 2012

keine acht monate nach seinem ersten release veröffentlicht dave eleanor seine zweite ep, wieder auf subtrakt und gratis zum download. ‚wake‘ heisst sie, und diesmal sind es fünf tracks, mit denen das musikalische terrain zwischen dubstep, techno und eigenständigem pop noch weiter und intensiver als zuvor erforscht wird. dabei werden die breiten wege grösstenteils gemieden und lieber intime pfade und versteckte dickichte erkundet. die rhythmik wird vertrackter und vertieft sich immer wieder in den dunklen wissenschaften des dubstep, die detailverliebtheit wird noch stärker ausgeprägt und trotzdem auf den punkt gebracht. und es wird wieder gesungen, die vocals teilweise kaum verständlich und effektgeschwängert, die stimmung melancholisch.

dies ergibt eine sehr persönlich geprägte platte, die vielleicht weniger opulent als erwartet, dafür sehr konzentriert und mutig klingt. der endmix wirkt jetzt offener, die stücke eigenständig und noch selbstbewusster und sicherer als vor einigen monaten. brüche werden bewusst zugelassen, so dass auch ein vergleichsweise geradliniger und tanzbarer track wie ‚upstairs‚ zwischendurch auf endlos verhallten dubflächen kollabieren darf, bevor er sich wieder aufrappelt und geraden schrittes nach hause marschiert. die palette an verwendeten sounds und samples wurde erweitert: man hört nun scharfkantige drums und kühle flächen, aber auch äusserst filigrane töne und fein ziselierte einsprengsel wie auf ‚let me know‚. und ‚big city‚ kann sich sogar ein freundschaftliches nicken zum jungle der 90er erlauben, ohne dass es aus dem rahmen fällt.

2013 soll es ein album geben, und wenn sich die musikalische entwicklung eleanors in diesem tempo fortsetzt, könnte dies eines der highlights des nächsten schweizer musikjahres werden. doch das ist schon weit vorgegriffen, vorher sollte man versuchen, diesen jungen künstler live zu erleben. zum beispiel morgen samstagabend am videostammtisch im royal (baden).

01. let me know
02. stars
03. pursuit
04. upstairs
05. big city

dave eleanor live:
03.11.2012 royal, baden
17.11.2012 merkker, baden
21.11.2012 kiff, aarau
28.12.2012 merkker, baden (dj-set)

dave eleanor
dave eleanor auf facebook
dave eleanor auf subtrakt

dave eleanor auf soundcloud