dave eleanor – monologues

blaublau 2016

heute ist es soweit: nach fünf eps, zahllosen live- und dj-auftritten und diversen remixes steht dave eleanors debutalbum zum verkauf. für langjährige fans und geduldige beobachter seiner musikalischen karriere ist dies der vorläufige höhepunkt einer entwicklung, die fast schon beispielhaft und auf eine stetige weise organisch vonstatten ging.

hört man sich seine eps in chronologischer reihenfolge an, ist es schwierig, die langsame evolution von eher dancefloorbasierten tracks zu immer komplexeren popsongstrukturen nicht wahrzunehmen. auch der vermehrte einsatz von gesangsstimmen, die immer intimer, wärmer und runder anmutenden sounds und texturen sind charakteristika, die wahrnehmbar geduldig und liebevoll über jahre erschaffen und gepflegt wurden. insofern stellt der ‚bass pop‘, wie er seine musik nun auf diesem album nennt, das stolze und vorerst abschliessende ergebnis einer überaus hingebungsvollen und nachhaltigen arbeit am eigenen sound dar. songs wie das maxinquayeske ‚i say goodbye‘ mit blanka und len sander oder das melancholische ‚heading back west‘ geben zeugnis, mit welcher sicherheit und leichtigkeit eleanor seine langen lehrjahre mit raffinierten sounds und butterweichen beats in verhalten funkelde popjuwelen destillieren kann.

leider – auch das muss gesagt werden – sind dieser entwicklung hin zu einem eigenen und wiedererkennbaren sound auch immer mehr elemente zum opfer gefallen, die gerade die ersten beiden eps so spannend und aufregend aus der schweizer musiklandschaft ragen liessen. das spielerische, manchmal auch rauhe und überraschende der oft tanzbaren, von dubstep und bass music beeinflussten beatkonstruktionen wurde stark zurückgebunden und gezähmt, was unter anderem sicher auch dem gewünschten, abgerundeten klangbild eines longplayers geschuldet ist. tracks wie das düster brodelnde ‚black cracks‘ mit dem fantastischen raspie tönen jedoch an, wo in dieser richtung das potential liegen könnte, und die hoffnung bleibt intakt, dass dave eleanor dieser seite seiner musik auf hoffentlich bald folgenden weiteren singles und eps wieder mehr raum zur entfaltung lässt.

zuvor steht jedoch das präsentieren dieser musik im livekontext im vordergrund, und eleanor lässt es sich nicht nehmen, dies gleich mit einer grossen europatournee in angriff zu nehmen. die daten dazu findet man hier.

woche 49

  1. bit-tunera bit of light (2015)
  2. kelpethe curved line (2015)
  3. dave eleanorpuppet ep (2015)
  4. sam bingawasted days (2015)
  5. joey andersoninvisible switch (2015)
  6. john digweedtransitions vol. 2 (2007)
  7. roots manuvableeds (2015)
  8. luke vibertbizarster (2015)
  9. francis junotomorrow’s nostalgia (2015)
  10. rabitcommunion (2015)

dave eleanor – puppet ep

blaublaurecords 2015

morgen kommt die fünfte ep von dave eleanor heraus – das ist somit nun schon die zweite auf dem jungen blaublaurecords-label. und wieder gibts wundervolle popmelodien, brilliant produzierte klänge und funkelnde kompositionen. eleanor bleibt also seinem sound, den er mit den vergangenen releases so geduldig und sorgfältig entwickelt hat, grundsätzlich treu, scheut sich jedoch nicht davor, diese entwicklung weiterzuführen und sich so ganz langsam und unauffällig eine eigene nische im elektronischen pop zu schaffen.

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der einstieg in die platte zeigt dies schon beinahe exemplarisch – sowohl die entwicklung als auch die richtung, die angestrebt wird: ‚ascension‘ startet mit einer sehr vertraut anmutenden und prägnant eingesetzten melodie, die sich so auch auf der letztjährigen ‚naked + nicotine‚-ep hätte unterbringen lassen. sobald beats und bass einsetzen, ist jedoch klar, dass hier zwar kleine, aber entscheidende entwicklungen vorgenommen wurden: die produktion klingt erdiger und wärmer, die matt glänzende politur der letzten platten wurde grösstenteils entfernt und nur noch punktweise und reduziert eingesetzt – ersetzt wird sie durch eine vielfalt von soundtexturen, die zwischen aufgerauht und flauschig, zwischen glänzend hart und nachgiebiger wärme changieren.

beim zweitplatzierten titeltrack wirken diese entwicklungen schon aufs schönste ausgearbeitet: eine minimale, über den lauf des intros wunderschön modulierte bassline, ein paar minimale pianosprenkel und dann die beats, knatternd und eleanors melancholische stimme perfekt ergänzend. auch das modellieren von hall und raum, nähe und weite wird immer zurückhaltender, aber wirkungsvoller eingesetzt und errinnert gerade in diesem track nicht ganz überraschend an portisheads dummy-album und geoff barrows kombination staubiger samples mit polierter elektronik. dem gegenüber steht der nächste track ‚take two‚ mit der stimme der fantastischen marena whitcher (marena whitchers shady midnight orchestra / eclecta), ein elegisch dahinstolperndes stück perfekt austarierter hoffnungslosigkeit mit wimmernden gittarren, erstaunlich variierten trap-beats und einer steigerung in dichte und athmosphäre, die den abrupten schluss als fast schon willkommenen akt des luftholens deklariert und einen perfekten bruch zu den folgenden zwei instrumentalen tracks darstellt: ‚rise‘ ist ein beatfeuerwerk knatternder drumcomputer mit traurigen melodien und getragenen harmoniumklängen, ’system check‘ bildet den abschluss mit glöckchenläutender horrorfilmathmosphäre und fragmentumwölkten beats, die sich in rauschenden wellen an den massiven, mit dem grund schon fast verwachsenen melodien brechen, sie umspülen und benetzen, jedoch nie überspülen.

dave eleanor hat mit ‚puppet‚ ein hochaktuelles und seinen entwicklungsstand als musiker perfekt dokumentierendes werk abgeliefert, das gerade im zusammenhang mit seinen vorgängern eine wichtige dynamik in der musikproduktion anschaulich macht: das entwickeln und erreichen eines eigenen sounds unter einbezug der produktionstechnik ist ein wertvolles und wichtiges mittel, sich freiräume zu schaffen, in denen experimentiert und ausprobiert werden kann, ohne dass die tracks gleich auseinanderfallen oder sich untereinander beissen. dave eleanor hat sich mit viel geduld und hartnäckigkeit dieser entwicklung verschrieben und wird diese zum anlass des releases auch live präsentieren: die plattentaufe der ep findet morgen, am 3. dezember 2015 im nordflügel der gessnerallee in zürich statt – der eintritt ist gratis!

www.daveeleanor.com
www.soundcloud.com/daveeleanor
www.facebook.com/daveeleanor

woche 48

  1. dave eleanorpuppet ep (2015)
  2. bit-tunera bit of light (2015)
  3. reconditeplacid (2015)
  4. st. germainst. germain (2015)
  5. iskeletoriskeletor (2015)
  6. lvancient mechanisms (2015)
  7. nomineinside nomine (2015)
  8. clutchpsychic warfare (2015)
  9. starkeythe transponder orchestra (2015)
  10. dot rottenvoices in my head (2013)