unhold mit neuem track und album

tolle news von unhold, einer der innovativsten und interessantesten metalbands der schweiz: der neue song ‚convoy‚ gibts ab sofort auf youtube zu hören und auf spotify sowie apple music zu kaufen. entnommen wurde er dem neuen album ‚here is the blood‚, das am 9. november über czar of bullets veröffentlicht wird.

oregon trail – h/aven

czar of bullets 2018

oregon trail lassen gleich zu beginn wenig zweifel daran, dass sie ihre themen umfassend und mit bedacht setzen: wenn ein album mit titeln namens ’sun gone missing‘ und ‚aimless at last‘ einsteigt, muss davon ausgegangen werden, dass dunkelheit, orientierungslosigkeit und verzweiflung auch im weiteren verlauf des werks eine bestimmende rolle spielen werden. nun ist die vertonung solcher negativen emotionen gerade im post-hardcore sicher nichts grundlegend neues und gehört eigentlich schon fast zum guten ton – um so mehr überrascht und fasziniert es, wie gekonnt diese band aus der französischen schweiz im laufe der 42 minutes ihres zweiten albums dieser thematik neue konstraste, blickwinkel und ideen abtrotzt. sei es textlich mit dem bezug zur umgebenden, oft feindlich wahrgenommenen natur und landschaft le locles, wo das album aufgenommen wurde, sei es musikalisch mit einer unglaublichen dichte an ideen, intelligenten strukturen und unerwarteten dynamiken, oder sei es gestalterisch mit einem cover, das eine impressionistische fotografie lokaler gegebenheiten in ein klassisch strenges layout einbettet.

dies alles weist darauf hin, dass oregon trail lange und intensiv an diesem album gearbeitet haben und viel herzblut in die produktion geflossen ist. kein einziger song ist füllmaterial, jeder einzelne hat einen individuellen charakter und vereint sich trotzdem mit den anderen zu einer festgefügten und wohlgeordneten truppe, die unter ihrer rauheit und brutalität nie ihre menschlichkeit verliert. im gegenteil: charles-a. berhards stimme schreit, stöhnt, predigt und brüllt an gegen die manchmal beinahe erdrückende übermacht von bass und gitarren, kann sich aber auch kehlig singend an glitzernde melodieläufe schmiegen und deckt eine emotionale bandbreite ab, die in diesem genre selten gefunden wird. doch auch die gitarren dürfen und können viel hier: disziplinierte sprints wechseln sich ab mit psychedelisch schimmernden soundwänden, die sich übereinandertürmen, bis sie in sich zusammenfallen und sich in noisiger gischt auflösen, klare klänge lassen licht und luft in die dichten kompositionen eindringen, nur um wenig später überaus kontrolliert und effektiv in heftiges feedbacks zu kippen. auch der bass ist mächtig und präsent und legt mit den drums eine solide basis, die auch in rhythmisch unruhigen wassern niemals auseinanderfällt. erst beim gewaltigen finale ‚marble grounds‚ zeigen sich erste auflösungserscheinungen: der song schraubt sich in seinen epischen siebeneinhalb minuten immer tiefer in den noise und das chaos – bis er auf der anderen seite herauskommt und sich in triumphaler ruhe und leichtigkeit im flirrenden sonnenlicht auflöst.

‚h/aven‘ erscheint heute auf czar of bullets.

 

oregontrail.ch
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czarofcrickets.com
facebook.com/czarofcrickets
czarfest.com
czarshop.com

palmer – surrounding the void

czar of bullets 2017

fast sechs jahre nach ihrem letzten album legen palmer heute – endlich! – ein neues werk vor. doch was soll man sich beschweren: schon beim ersten durchhören wird klar, dass die zeit weise genutzt wurde. auch wenn man die musik stilistisch noch immer unter athmosphärisch dichtem metal mit sludge- und noiseeinflüssen einordnen kann – was komposition und songwriting, das selbstvertrauen und sicherheit im zusammenspiel, aber auch die produktion und das sounddesign angeht: die wandlung und weiterentwicklung der langenthaler band ist sowohl in der tiefe als auch in der breite beieindruckend.

gleich zu beginn fällt auf, dass der noise-anteil markant erhöht wurde. ein fast melodieloser, ans weisse rauschen grenzender gitarrenlärmteppich zieht sich durch die ersten, vor einladender aggression strotzenden minuten und ergibt mit steve dieners effektgeladener stimme einen brodelnden wirbel, der sich jedoch langsam klärt und in der mitte des tracks in einen fast ambienthaften ruheraum mündet. auch wenn dieser immer wieder vor explosiven attacken lärmerfüllten hasses erzittert und schlussendlich kollabiert, zeigt sich hier beispielhaft die gewonnene sicherheit und das vertrauen dieser band, ganz auf klang und athmosphäre zu setzen und mit subtil eingesetzten effekten ungeahnte weite zu schaffen. im kontrast zu klaustrophobisch-gequälten gitarrenparts ergeben sich dabei thrillerhafte spannungen, wie es zum beispiel bei ‚divergent‘, aber auch ‚implosion‘ aufs schönste nachzuhören ist. das ganze werk bewegt sich meist in eher düsteren, manchmal gar verzweifelten emotionalen graubereichen, sowohl textlich als auch athmosphärisch. zum glück hat man trotzdem keine angst vor ausgedehnten gitarrenparts mit zwar getragenen, jedoch warmen melodien und minutenlanger versunkenheit in psychedelisch verhallte klangwelten. so werden dem zuhörer immer wieder atempausen und vereinzelte flecken sonnenlichts gegönnt. diese können ausgedehnt und funkelnd klingen wie bei ‚artein‘, aber auch kurz und trocken eingestreut wie in ‚misery‘, wo sie das gefühl der hoffnungslosigkeit mit ihrem abrupten ende eher noch verstärken.

dass dies alles so einheitlich und aus einem guss klingt wie auf diesem album, ist eine respekteinflössende leistung und nur teilweise auf die fantastische produktion zurückzuführen, die punktgenau zwischen dem einsatz fast schon jazziger klangbrillanz, erstickender soundwälle und psychedelischer klangfarbigkeit abwägen kann. den anderen, grossen teil trägt die band mit ihrem mut zum experiment, ihrem eingeschworenen zusammenspiel und grosser erfahrung selber bei.

das album gibts hier zu kaufen:

czar shop
itunes
plastic head
cede.ch

palmer spielen morgen mit zatokrev und wolf counsel in der met-bar in lenzburg, danach hier:

17.03.2017 royal, baden
18.03.2017 improvisorium, huttwil
05.05.2017 grabenhalle, st. gallen