zur feier seiner releases auf mistry und timedance darf laksa einen electronic explorations mix abliefern. viel perkussiver uk techno, dabei aber auch immer mal wieder ein überraschender bruch mit ungewohnten klängen.
Kategorie-Archiv für 03.00 reviews
bill laswell auf bandcamp
der bassist, produzent, bandleader, komponist und unbremsbare derwisch bill laswell ist schon seit 2014 auf bandcamp präsent und hat immer mal wieder was schönes aus seinem backkatalog gepostet. in diesem jahr sind jedoch alle dämme gebrochen und fast hundert releases wurden unter seinem profil hochgeladen. darunter viele out of print-kostbarkeiten und heute nur noch schwierig auffindbare one-off-projekte, aber auch tolle, wenn auch wenig in vergessenheit geratene erfolge aus dem riesigen praxis- und material-katalog, soloalben von künstlern, die er produziert hat und diverse kollaborationen querbeet durch die musiklandschaft.
ein ganz besonderes schmankerl aus dem jahr 1988 wurde heute der öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht: das unglaubliche album ‚missionaries moving‚ der gettovetts, eines kurzlebigen, mit shockdell und nicky skopelitis ergänzten ablegers von rammelzees unüberschaubar verrückten musikalischem universum. bill laswell war mit skopelitis für die produktion zuständig und kreierte mit den beiden rappern ein album, das vom grossen publikum, das sich gerade erst an ll cool js und run dmcs spartanische samples und aggressiven reimstil gewöhnt hatte, sträflich konsequent ignoriert wurde. was allerdings nicht wirklich überraschen kann, denn die explosive mischung aus kunstrap und progrock, vermengt mit graffiti, afrofuturistischen kostümen, perfomance acts, fetten beats, industrial und galaktisch verschwörerischen lyrics ist auch heute noch schwer zu schlucken. bootsy collins spielt eine wundervollen fuzzbass auf ‚death command‘, und spätestens jetzt wird klar, dass man die gettovetts als die wahren erben des p-funks betrachten muss.
beneath – no symbols 006
no symbols 2016
mit no symbols hat sich beneath einen raum geschaffen, wo er seine vision von vorwärtsorientierter clubmusik unbeeinflusst von labelpolitics und geschmacksvorgaben ausleben und weiterentwickeln kann. die minimale gestaltung und der verzicht auf jedwelche werbung und sonstigen firlefanz machen schon von vorherein ziemlich klar, dass es sich hier um ein no bullshit-projekt handelt: die musik soll gelten, sonst nichts.
dieser ansatz prägt die releases, aber auch die tracks selbst: „lifted“ ist ein sperriges dancefloormonster, das sich mit seinen eckigen, ungelenk anmutenden, aber dadurch nicht weniger brutalen beats und dröhnenden synths zwischen all die stühle hockt, die in den letzten monaten von labels wie livity sound, timedance oder gutterfunk besetzt wurden. was die klassishen trackstrukturen angeht, lehnt sich beneath hier wieder sehr weit aus dem fenster, und auch die b-side „cack“ widersetzt sich unbekümmert dem mainstream, diesmal mit stolpernder bassdrum und toms, die sich gerade noch dem marschmusikhaften entziehen. die synthmelodien sind trotz ihres robusten sounds nie wirklich greifbar, nur der unglaublich tief hinabreichende bass bietet orientierung und halt.
für die vinylkäufer gibts dazu noch „fuck y’all“, das ein klein wenig vertrauter und besser verdaulich klingt, aber durch die acidlastigen leads ganz bestimmt nie langweilig wird.
comfortnoise podcast 063
der neue comfortnoise-podcast wurde wieder von new.com kuratiert und bietet das neuste aus dem 140er bassbereich, abgeschmeckt mit viel dub und einem gesunden roots-einfluss. das ganze wurde zurückhaltend gemixt, mit einem routinierten flow und ohne stilistische mätzchen. eine sehr solide ausgabe!
dj die – lik it bak
gutterfunk 2016
dj dies gutterfunk-label hat sich in den vergangenen monaten durch unglaublich diverse und innovativ produzierte tanzmusik die herzen bassaffiner djs erobert. heute gibts vom labelboss selbst einen schon fast klassisch anmutenden 174-bpm-roller zum gratisdownload, mit wunderschön gecutteten drums und einer fetten bassline, die an dope dragons beste zeiten errinnert. sehr nett und allemal ein ohr voll wert!
hirsch & eigner – stalker / swoop
~ous 2016
mit einer neuen 7″-single erweitert ~ous seinen noch kleinen künstlerkatalog um den deutschen diy-instrumentenbauer und künstler andreas oskar hirsch und den österreichischen schlagzeuger, perkussionist und field-recordings-spezialist richard eigner. das kleine schweizer label verfolgt hiermit konsequent weiter seinen weg, experimentelle, analog und digital neuartig kombinierende musik in kleinen, aber edlen auflagen unters volk zu bringen.
auf beiden tracks spielt oskar hirsch auf einem umgebauten palmblatt, was ungewohnte, an xylophone errinnernde klangbilder ergibt. kombiniert mit richard eigners spielerischen, aber immer sehr klar strukturierten beats entsteht ein luftiger, in aller geräumigkeit spartanisch wirkender sound, der mit kleinsten effekten und verschiebungen wirkung zu schaffen versteht. dies funktioniert vor allem bei „swoop“ sehr gut, wo mit diesen mitteln trotz der kurzen laufzeit eine spannende thrillerathmosphäre voller dynamik erreicht wird.
diese scheint bei „stalker“ leider zu einem grossen teil nicht vorhanden zu sein, was vor allem an der kaum variierten, fast schon simplen melodie liegen mag, die mit dem relativ einfachen rhythmus zwar eine schöne klangliche einheit ergibt, aber kaum eine interessante entwicklung aufweisen kann. die fantastische qualität und fast schon greifbare räumlichkeit der aufnahme kann leider nicht über die fehlende tiefe und komplexität der komposition hinwegtäuschen.
burial – young death / nightmarket
hyperdub 2016
eine weile schon in aller stille aus diversen shops und ab heute ganz plötzlich auch auf bandcamp erhältlich, gehört diese single wohl zu den sehnlichst erwarteten stücken musik dieses jahres. denn abgesehen von einer kollaboration mit zomby war von burial dieses jahr nicht viel zu hören, und auch letztes jahr bliebs abgesehen von einem release auf keysound ziemlich ruhig.
umso höher schlägt das herz schon bei den ersten takten von „young death“, wenn eine durch die mangel gedrehte r’n’b-stimme über knisternder athmosphäre ihr wehklagen anstimmt. man spürt das tiefe pochen der bassdrum mehr, als man sie hört, und wieder kommen vergessene heimwege aus clubnächten hoch, verregnet, wehmütig, begleitet vom tinitus und dem müden nachflimmern der euphorie. burial ist ein meister im beschwören genau dieser stimmung, und das scheinbare zerfallen des tracks in mehrere teile, die zerfahren wirkende hantieren mit ideen, melodien und samples trägt nur dazu bei, sie um eine sanfte portion benebelter paranoia anzureichern.
ähnliche mittel werden auch bei „nightmarket“ eingesetzt, nur mit anderem effekt und klarer sichtbar scheinendem roten faden. dieser wird gebildet durch eine wundervoll subtil modulierte synthlinie, die jedoch durch weissrauschende statikeinbrüche immer wieder durchtrennt und unbeholfen scheinend wieder zusammengeknüpft wird. gegen ende wirken die synths triumphierend, die störgeräusche bäumen sich auf zu kaum erkennbaren beats, dann jedoch verhallen auch diese und die strasse hat dich wieder…
comfortnoise podcast 062
der neue podcast der comfortnoise-truppe wurde von k (mikrophon.net, köln) gemixt und suhlt sich mit grösstem wohlbehagen im hall und echo diverser dubtechno-spielarten. gegen ende werden die beats knackiger und das ganze sympatisch verspult, und mit andy stotts „too many voices“ ein finale voller merkwürdiger schönheit zu finden.
dave eleanor – monologues
blaublau 2016
heute ist es soweit: nach fünf eps, zahllosen live- und dj-auftritten und diversen remixes steht dave eleanors debutalbum zum verkauf. für langjährige fans und geduldige beobachter seiner musikalischen karriere ist dies der vorläufige höhepunkt einer entwicklung, die fast schon beispielhaft und auf eine stetige weise organisch vonstatten ging.
hört man sich seine eps in chronologischer reihenfolge an, ist es schwierig, die langsame evolution von eher dancefloorbasierten tracks zu immer komplexeren popsongstrukturen nicht wahrzunehmen. auch der vermehrte einsatz von gesangsstimmen, die immer intimer, wärmer und runder anmutenden sounds und texturen sind charakteristika, die wahrnehmbar geduldig und liebevoll über jahre erschaffen und gepflegt wurden. insofern stellt der ‚bass pop‘, wie er seine musik nun auf diesem album nennt, das stolze und vorerst abschliessende ergebnis einer überaus hingebungsvollen und nachhaltigen arbeit am eigenen sound dar. songs wie das maxinquayeske ‚i say goodbye‘ mit blanka und len sander oder das melancholische ‚heading back west‘ geben zeugnis, mit welcher sicherheit und leichtigkeit eleanor seine langen lehrjahre mit raffinierten sounds und butterweichen beats in verhalten funkelde popjuwelen destillieren kann.
leider – auch das muss gesagt werden – sind dieser entwicklung hin zu einem eigenen und wiedererkennbaren sound auch immer mehr elemente zum opfer gefallen, die gerade die ersten beiden eps so spannend und aufregend aus der schweizer musiklandschaft ragen liessen. das spielerische, manchmal auch rauhe und überraschende der oft tanzbaren, von dubstep und bass music beeinflussten beatkonstruktionen wurde stark zurückgebunden und gezähmt, was unter anderem sicher auch dem gewünschten, abgerundeten klangbild eines longplayers geschuldet ist. tracks wie das düster brodelnde ‚black cracks‘ mit dem fantastischen raspie tönen jedoch an, wo in dieser richtung das potential liegen könnte, und die hoffnung bleibt intakt, dass dave eleanor dieser seite seiner musik auf hoffentlich bald folgenden weiteren singles und eps wieder mehr raum zur entfaltung lässt.
zuvor steht jedoch das präsentieren dieser musik im livekontext im vordergrund, und eleanor lässt es sich nicht nehmen, dies gleich mit einer grossen europatournee in angriff zu nehmen. die daten dazu findet man hier.
zwei mixperlen im sauhaufen
zwei tolle mixes haben mir den arbeitsreichen vormittag versüsst. zum einen gibts von funkahdelic einen grandios hypnotischen housemix voller verweise zu jungle, hiphop und bass music, dazu einige ausflüge in lo-fi-gefilde.
https://soundcloud.com/funkahdelic/jookintothegrave
zum anderen haben la vie c’est facile aus biel für bassmusik.ch einen wundervoll diversen und abwechslungsreichen grime- und bassmix aufgenommen, der aufs schönste demonstriert, wie gerade die kalten, abstrakt schimmerenden beats von visionären wie rabit oder visionist in den richtigen händen zu athmosphärischen brücken über dunkel brodelnden basstiefen werden können.
https://soundcloud.com/bassmusikmix/laviecestfacile-pathfinder




